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Große logistische Herausforderungen erwarten das Land. | Afrikas größte Wirtschaftsmacht leidet noch unter den Folgen der Apartheid. | Pretoria. Vor drei Wochen kam der neue Clint-Eastwood-Film in die Kinos. "Invictus" (Unbesiegt) beschreibt, wie Nelson Mandela 1994 als frischgebackener Präsident Südafrikas mit einem ungewöhnlichen Plan die Gräben in seiner Nation überbrücken will: Er unterstützt das bei der schwarzen Bevölkerung als Symbol der Apartheid-Ära verhasste Rugby-Nationalteam, um es für die 1995 anstehende WM im eigenen Land anzuspornen. Das Bekenntnis zur Nation stellt Mandela über die Gräben zwischen Schwarz und Weiß und entwirft das Bild eines friedlichen Nebeneinanders in der "Rainbow Nation".
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15 Jahre später steht das Land wieder vor einer Bewährungsprobe. Das weltweit größte Sport- und Medienereignis, die Fußballweltmeisterschaft, steht bevor. Das weckt im Westen eurozentristische Assoziationen: Derartige logistische und technische Anstrengungen werden einem afrikanischen Land nicht zugetraut. Darüber hinaus fürchtet man um die Sicherheit von Fans, Spielern und potenziellen Investoren.
Extremes soziales Gefälle
Südafrika ist die mit Abstand größte Wirtschaftsmacht Afrikas, aber das Pro-Kopf Einkommen der 48 Millionen Einwohner beträgt nur ein Achtel des österreichischen. Hinzu kommt eine stark ungleiche Verteilung der Einkommen. Mehr als deutlich werden die Differenzen an den Stadträndern. So grenzen in Johannesburg die Villen in Sandton direkt an Hütten im Township Alexandra. Die Spannungen entladen sich in der höchsten Kriminalitätsrate aller Länder mit Verbrechensstatistik.
Seit den ersten freien Wahlen 1994 wurden mehr als 420.000 Menschen ermordet, die meisten innerhalb der "nicht-privilegierten" Bevölkerungsgruppen. Nur die Zahl der Aidstoten stellt diese Statistik noch in den Schatten. 1000 Menschen sterben täglich an der Immunschwächekrankheit. Bisher fand keine Regierung ein Gegenmittel. Thabo Mbeki, Präsident von 1999 bis 2008, hat Aids als "Krankheit der Armen" bezeichnet, die nicht durch den HI-Virus verursacht werde. Längst existierende Medikamente wurden nicht zugelassen, das traditionelle Männerbild hat den Anstieg der Aidsrate zusätzlich gefördert. Erwähnt man noch die Korruptionsvorwürfe in südafrikanischen Medien erscheinen die Post-Apartheid-Regierungen nicht als Vorbild für Good Governance.
Doch ist die Transformation ähnlich wie in post-kommunistischen Staaten kein Prozess von wenigen Jahren. Das liegt am Ausschluss der gebildeten schwarzen Bevölkerung während der Apartheid, aber auch an den psychischen Folgen der Unterdrückung. Mittlerweile hat sich aber bei der Sicherheitslage und der Aidsrate einiges verbessert. Vor allem in Johannesburg sind die Veränderungen sichtbar. Im Sog der Fußball-Weltmeisterschaft hat die Stadt einen bedeutenden Image-Wandel erfahren. Heute ist die mit 3,2 Millionen Einwohnern größte Stadt Südafrikas zum Sinnbild für Aufstieg, Wandel und Wohlstand geworden.
Auch die Zahl ausländischer Besucher ist stark gestiegen. Mit weißen Stränden, Safari-Ressorts, Golfanlagen und Weinbaugebieten bietet das Land für Luxusgewohnte und Rucksackreisende eine ansprechende Infrastruktur - mit ein Grund für die Fifa, Südafrika als Austragungsort der WM zu wählen. Seither wurden Flughäfen ausgebaut, der öffentliche Verkehr in den Städten verbessert und Hotelkapazitäten erweitert. Die Investitionen belaufen sich auf rund 3,7 Millionen Euro.
Dass die Ticketbuchungen trotzdem deutlich hinter den Erwartungen liegen, dürfte an einer Mischung aus der Jahreszeit - im Juni ist Winter in Südafrika -, dem Anstieg der Preise für Hotels und Flugtickets aber auch an der Sicherheitsfrage liegen. Zusätzlich angeheizt wurde die Sicherheitsdebatte nach dem Anschlag auf das Fußballteam von Togo beim diesjährigen Africa-Cup in Angola. Dass Angola und Südafrika kaum miteinander vergleichbar sind, blieb meist unerwähnt.
Den meisten WM-Gästen wird sich der erste Anblick des Post-Apartheid-Staats aus dem Flugzeug bieten, und der verrät viel. Rund um die großen Städte befinden sich Townships, eine Ansammlung dürftig ausgestatteter Häuser und Hütten mit zumeist mangelnder Infrastruktur. Hier leben Schwarze und Coloureds, wie zu Zeiten der Apartheid getrennt von der weißen Bevölkerung.
Die durch den "Group Areas Act" in den 1960er Jahren erzwungene Trennung der Bevölkerungsgruppen wird noch länger wirksam bleiben. Zwar wurden seit 1994 knapp zwei Millionen Häuser im Rahmen des Wiederaufbauplans errichtet, doch ersetzen diese nur die Hütten in den Townships, ohne die Verteilung der Bevölkerung zu ändern. Eine räumliche Vermischung wird vielmehr der Anstieg einer nicht-weißen Mittelschicht bringen. Doch bevorzugen viele "Black Diamonds" - Schwarze, die es zu Wohlstand gebracht haben - die als "Ubuntu" bezeichnete gemeinschaftliche Lebensart in den Townships. Unterstützt wird der Aufstieg von Schwarzen, Couloureds und Indern von der "Black Economic Empowerment-Politik", gemäß der Firmen zu mindestens 25 Prozent in Händen von zur Apartheid-Ära benachteiligten Gruppen sein müssen.
Neue schwarze Mittelschicht
Sichtbar sind die Auswirkungen dieser Maßnahmen in Soweto. Im ehemaligen Zentrum des Apartheid-Widerstandes reihen sich heute eine Unzahl von Häusern mit kleinen Vorgärten aneinander, bewohnt von der schwarzen Mittelschicht. In- und ausländische Touristen fahren in Bussen an Villen der ehemaligen Freiheitskämpfer vorbei. Die Bewohner sind stolz auf die Geschichte des Ortes und ihren Beitrag zur Beendigung des Apartheid-Regimes. Wie in fast allen Townships gibt es außer kleinen Shops für den täglichen Bedarf kaum wirtschaftliche Aktivitäten. Ebenfalls ein Erbe der Apartheid-Ära. Am Rand von Soweto liegt Soccer City, das für die WM neu errichtete Stadion, dessen eindrucksvolle Fassade von österreichischen Firmen produziert wurde.
Die WM bietet dem Land die Chance, seinen historischen Ballast etwas zu erleichtern. Die Hoffnungen liegen vor allem auf der Post-Apartheid Generation. Vielleicht gelingt es ihr, Desmond Tutus und Nelson Mandelas Vision der "Rainbow Nation" zu verwirklichen, ein friedliches Miteinander unabhängig von kultureller Herkunft und Hautfarbe.
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