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Süßer Stoff für Leidgeplagte

Von Stefan Meisterle

Wirtschaft
Eine Alternative zu Zucker bieten Ernährungsexpertin Maria Holzer und Marek Makowski,Geschäftsführer der Birkengold GmbH.

"Birkengold" punktet gegenüber anderen Süßungsmitteln mit Geschmack.


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Wien. Vanillekipferl, Kokosbusserln, Linzeraugen: Was Kinderaugen regelmäßig gegen Jahresende leuchten lässt, sorgt bei Österreichs rund 600.000 Diabetikern allenfalls für sehnsüchtige Blicke. Gerade in der "süßen Jahreszeit" von Advent und Weihnachten wird Zuckerkrankheit für viele Betroffene zum unerträglichen Los. Das zu ändern, macht sich jedoch das niederösterreichische Unternehmen Birkengold zur Aufgabe. Mit dem gleichnamigen natürlichen Süßungsmittel tritt man an, um Konsumenten Alternativen zu bereits etablierten Süßstoffen, aber auch zum herkömmlichen Zucker zu bieten. Und will die Naschkatzen unter Diabetikern und Ernährungsbewussten mit einem entscheidenden Argument für sich gewinnen: dem Geschmack.

Gute Nachricht für die Zähne

"Birkengold ist aus der Idee heraus entstanden, ein natürliches Süßungsmittel auf den Markt zu bringen, das für Diabetiker geeignet ist", erklärt Marek Makowski, Geschäftsführer der Birkengold GmbH. Weil gängige Zucker-Alternativen häufig mit einem bitteren Nachgeschmack verbunden wären, war man überaus überrascht, als man das in vielen Ländern Europas bereits sehr beliebte Birkengold, das auch unter den Namen Xylit oder Birkenzucker bekannt ist, entdeckte.

Die Vorzüge, die Makowski und Birkengold-Ernährungsexpertin Maria Holzer vollends für das Birkengold einnahmen, waren zum einen, dass Birkengold als Abfallprodukt bei der Holzverarbeitung von Laubbäumen entsteht. Die Produktion, die demnach auch im Inland möglich ist, wäre energieschonend und mit vergleichsweise geringen Kosten verbunden. Zum anderen überzeugte die hohe Verträglichkeit des Süßungsmittels: "Es ist besser für die Zähne und verhindert Plaque-Bildung - während Zucker Karies fördert", sagt Holzer. Birkengold habe zudem 40 Prozent weniger Kalorien als Zucker, betont Makowski.

Vor allem aber zeichne sich der Zuckerersatz durch seinen Geschmack aus, der im Gegensatz zu vielen anderen Süßungsmitteln keine Bitterkeit hinterlasse - und sogar dem Geschmack von Zucker gleichkäme: "Wir haben einen Blindtest gemacht, bei dem niemand den Unterschied zwischen Zucker und Birkengold herausfinden konnte", erzählt Holzer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Hohe Nachfrage und wenig Vorbehalte

Die Idee, Birkengold als Unternehmen unters Volk zu bringen, lag angesichts dieser Vorzüge nicht fern, zumal der Süßstoff bereits in vielen anderen europäischen Ländern erfolgreich auf dem Markt ist. Und auch in Österreich stieß Birkengold unmittelbar nach Verkaufsstart auf unerwartet hohe Nachfrage: "Auf den Markt zu kommen, war einfacher, als wir es uns vorgestellt haben", berichtet Makowski. Zunächst arbeitete das Kleinunternehmen mit Bioläden und Reformhäusern zusammen, um sich schrittweise Großhändlern, aber auch Zahnärzten und Fitnesscentern zu öffnen. Als zusätzlicher Vertriebskanal wurde auch ein Web-Shop eingerichtet. "Teilweise funktioniert das auch schon mit Mundpropaganda", freut sich der Birkengold-Geschäftsführer, der unter den Konsumenten eine große Neugier beobachtete.

Auf Vorbehalte bei eingefleischten Naschkatzen stieß man dabei nämlich kaum. "Es gibt vereinzelt schon eine gewisse Skepsis, weil es fast zu gut klingt, um wahr zu sein. Die war aber schnell zu widerlegen", schmunzelt Makowski. Weil die Resonanz auf ihr Produkt so positiv ausfiel, überlegt Birkengold inzwischen, größere Brötchen zu backen und in der Zukunft den Schritt nach Deutschland zu wagen. Zunächst aber gelte es nach Holzers Ansicht, in Österreich "einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen, dass es da etwas gibt, das eine gesunde Ernährung erlaubt. Eine gesunde Ernährung, die aber genauso gut schmeckt, wie man es gewohnt ist."

Davon konnten sich jedenfalls bereits zahlreiche Konsumenten selbst überzeugen. "Viele verwenden es für Tee oder Kaffee. Man kann aber überall, wo man Zucker dazu gibt, auch Birkengold verwenden", so Makowski. "Das Schöne ist, dass man es auch bei Rezepten problemlos statt Zucker verwenden kann - und zwar im Verhältnis 1:1", fügt Holzer hinzu. Davon, dass das Backen mit Birkengold genauso gut funktioniert wie mit Zucker, sind Makowski und Holzer jedenfalls überzeugt.

Um zu gewährleisten, dass naschende Diabetiker auch im Advent auf ihre Kosten kommen, wird die Webseite laufend mit neuen Birkengold-Rezepten erweitert. Inzwischen auch vertreten: Vanillekipferl und Linzeraugen. Fehlen bloß noch die Kokosbusserln.