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Süßer Wahlkampf -zähes Ringen

Von Martyna Czarnowska, Salzburg

Politik

Gleich drei Mal sollen die Salzburgerinnen und Salzburger kommenden Sonntag wählen: bei Landtags-, Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen. Nicht Inhalte, sondern Personen stehen dabei im Vordergrund des Wahlkampfs: Vor allem bei der Landtagswahl wollen sowohl SPÖ als auch ÖVP Platz eins erringen. Gabi Burgstaller will den amtierenden Landeshauptmann Franz Schausberger in seiner Funktion ablösen. Den Grünen und der FPÖ wird bei all der Aufregung im Kampf um Platz eins weniger Aufmerksamkeit zuteil.


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Torsten und Jutta sind begeistert. "Oh, Mozart", rufen sie entzückt. Das Urlauberpaar aus Deutschland greift nach den Mozarttalern - und befindet sich schon im Salzburger Wahlkampf. Es ist die ÖVP, die im Stadtzentrum mit Süßigkeiten um Aufmerksamkeit wirbt. Der Alte Markt ist dabei für einige Gruppierungen ein begehrter Standplatz. In unmittelbarer Nachbarschaft zueinander haben sich dort postiert: die Volkspartei, die Grünen, die bei der Gemeinderatswahl antretende Liste Salzburg und der lauteste, weil mit einem Megaphon ausgestattete, Verein gegen Tierfabriken, der einen "Stopp der ÖVP-Tierqual-Politik" fordert. Marie-Christine Hohenberg, ÖVP-Kandidatin zum Gemeinderat, nimmt es gelassen. Die Tierschützer machen ihr keine Sorgen, die SPÖ schon eher. "Bei der Landtagswahl wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben", ist auch sie überzeugt. Die Wahl wird sich nämlich wohl auf eine Entscheidung zwischen dem amtierenden ÖVP-Landeshauptmann Franz Schausberger und seiner Stellvertreterin, SPÖ-Spitzenkandidatin Gabi Burgstaller, zuspitzen. "In Umfragen holen wir jedoch auf", zeigt sich Hohenberg optimistisch. Sie verweist auf die Qualitäten Schausbergers und seines nominierten Nachfolgers Wilfried Haslauer, gleichzeitig warnt sie vor den möglichen Folgen einer rot-grünen Landesregierung, die nicht zuletzt Instabilität bedeuten würde.

Um diese These zu verdeutlichen, hat sich die Volkspartei Unterstützung aus dem benachbarten Ausland geholt. "Salzburg und Bayern müssen zusammen halten", verkündet Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender Edmund Stoiber in Inseraten, die in Salzburger Zeitungsausgaben geschaltet wurden. Sein Mahnruf lautet: "Ich warne Salzburg vor dem rot-grünen Experiment!" Auch wenn die SP bereits klargestellt hat, dass sie eine Koalition mit der VP vorzieht.

Für die SozialdemokratInnen bietet sich am 7. März die Chance, die Volkspartei zu überrunden. Seit 1945 stellten sie keinen Landeshauptmann, seit damals war die ÖVP stärkste Kraft in Salzburg. Zwar war deren Vormachtstellung 1969 gefährdet, doch mit 0,3 Prozentpunkten Vorsprung konnten sie sie gerade noch behaupten. Vor fünf Jahren erreichte die ÖVP knapp 39 Prozent der Stimmen, die SPÖ über 32 Prozent. Dieses Verhältnis könnte sich nun umdrehen. Umfragen zufolge käme die SPÖ auf 39 bis 44 Prozent, die ÖVP auf 36 bis 41.

Drei der vier Spitzenkandidat-Innen waren in dieser Funktion bereits 1999 unterwegs: Salzburgs ÖVP-Obmann Schausberger, FPÖ-Obmann Karl Schnell und der Landessprecher der Grünen, Cyriak Schwaighofer, der sich auf Wahlplakaten den Beinamen "Robin" gibt - weil "Grün befreit". Gabi Burgstaller, die erstmals die SPÖ in die Wahl führt, könnte auch die erste Landeshauptfrau Salzburgs werden.

Sympathisch ist sie, sagen die Leute. Im Europark, einem Einkaufszentrum am Stadtrand, das an die 30.000 Menschen täglich besuchen, wirbt Burgstaller um Stimmen. "Gabi mag man eben" steht auf den Packungen mit Manner-Schnitten, die sie gemeinsam mit Flugzetteln verteilt. Bei drei jungen Menschen bleibt sie längere Zeit stehen, unterhält sich über Jobaussichten. Nachdem Burgstaller weiter gegangen ist, ist Barbara nur in ihrer Ansicht bestärkt. Sie weiß schon seit Monaten, wen sie wählen wird. "Frau Burgstaller ist eine clevere, kompetente, smarte Frau", sprudelt es aus ihr heraus. Dann fügt sie hinzu: "Ich meine es ernst."

Ihr Begleiter ist von der SPÖ-Kandidatin ebenfalls angetan: "Ich habe sie ein paar inhaltliche Sachen gefragt. Sie hat sehr kompetent gewirkt", meint er. Wen er wählen wird, weiß er allerdings noch nicht - vielleicht die Grünen.

Diese sind im Europark ebenso vertreten. Doch nur jede/r Dritte nimmt den dargebrachten Flugzettel entgegen. Einigen BesucherInnen wird die Wahlwerbung zuviel. "Da sind ja gleich drei Parteien, das ist ein Witz", ereifert sich eine Mutter, Einkaufstasche in der einen, die kleine Tochter an der anderen Hand, beim Eingang des Einkaufszentrums. Aus scheinbar zahllosen roten und gelben Anoraks sowie grünen Westen werden ihr Hände entgegengestreckt, mit Zuckerln, Feuerzeugen, Stadtplänen und Broschüren.

In der Altstadt war zuvor Franz Schausberger auf Wahlkampftour. Er spricht mit den Standlerinnen und Standlern, hört sich Glückwünsche und Sorgen an. Die ÖVP wirbt nicht mit einem Landeshauptmann, sondern mit zwei Männern. "Nimm 2" werden an die Menschen verteilt, samt einem Konterfei von Schausberger und Wilfried Haslauer, der in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode das Amt übernehmen soll. "Schauslauer" sollen einige SalzburgerInnen das Duo bereits nennen, der Einfachheit halber. "Ich glaube nicht, dass es der Schauslauer noch einmal schafft", räumt ein Mann mittleren Alters dem Landeshauptmann geringe Chancen auf eine Wiederwahl ein.

Anna, die an ihrem Stand am Grünmarkt Honig und hausgemachte Marmelade verkauft, hat Schausberger nicht gesehen. Das macht aber nichts, ist sie doch aus Oberösterreich: "Dort haben wir den Rummel voriges Jahr gehabt, jetzt ist es halt in Salzburg so." Bald sei alles wieder vorbei.