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Berlin · Der vor 20 Jahren gestorbene Studentenführer Rudi Dutschke war keineswegs der hasserfüllte Revolutionär, zu dem er in Teilen der Öffentlichkeit gemacht wurde. "Ich habe in Rudi | Dutschke einen Genossen kennengelernt, der schlicht freundlich war, der zuhören konnte und bereit war, auf Argumente einzugehen", urteilte kurz nach Dutschkes Tod der damalige Juso-Vorsitzende und | heutige Bundeskanzler Gerhard Schröder.
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Dabei hatte der prominente Studentenführer monatelang die Republik in Atem gehalten: Denn wo immer der schmächtige Mann mit der eindringlichen Singsang-Stimme auftauchte, konnte er die
aufbegehrenden Studenten begeistern · was wiederum seine Widersacher gegen ihn aufbrachte. So kam es zum Attentat von 1968, an dessen Folgen Dutschke elf Jahre später, am 24. Dezember 1979 starb.
Der in der DDR aufgewachsene Dutschke, der nach Kritik am dortigen System kurz vor dem Mauerbau 1961 nach West-Berlin übergesiedelt war, entwickelte sich in den sechziger Jahren zum Vordenker
und prominentesten Vertreter des "Sozialistischen Deutschen Studentenbundes" (SDS). Er protestierte gegen die Notstandsgesetze, den Vietnam-Krieg und den Deutschland-Besuch des Schah von Persien.
Doch gerade weil er mit seiner eindringlichen Rhetorik auch die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zog, entwickelte sich Dutschke zum Objekt offenen Hasses. Er erhielt Morddrohungen, und in
der Presse waren Schlagzeilen wie "Stoppt Dutschke jetzt!" zu lesen. Am 11. April 1968 wäre daraus fast bittere Wahrheit geworden: Ein selbsternannter Kommunistenhasser schoss Dutschke vor
der Berliner SDS-Zentrale nieder.
Als den eigentlich Schuldigen des Attentats betrachteten die Studenten damals den Springer-Konzern, der mit seiner Hetze gegen die aufbegehrenden jungen Leute eine Pogromstimmung geschaffen habe.
Noch am Abend des Attentats zogen tausende Demonstranten vor das Springer-Hochhaus in Berlin. Es kam zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei, Zeitungswagen gingen in Flammen auf. Auch in anderen
Städten trieb der Anschlag die Studenten auf die Straße.
Obwohl das Attentat die Bewegung zunächst aufgepeitscht hatte, war die Wirkung für die Studenten letztlich "niederschlagend", wie sich der Berliner Wissenschaftler Siegward Lönnendonker heute
erinnert. Es habe sich das Gefühl breit gemacht, "dass einer wirklich weggeschossen werden kann", meint der Leiter des Archivs "Apo und soziale Bewegungen" an der Freien Universität rückblickend.
Dutschke erholte sich nur langsam von dem Anschlag, engagierte sich aber in den siebziger Jahren erneut: 1979 schloss er sich der Grünen-Bewegung an, doch deren Erstarken erlebte er nicht mehr. Er
ertrank an Heilig Abend 1979 nach einem epileptischen Anfall in der Badewanne.
Zwar gedenken die Grünen bis heute des politischen Vermächtnisses von Rudi Dutschke, doch die Ehrung für den prominenten Studentenführer ist noch immer Gegenstand politischer Kontroversen. In Dutsch
kes brandenburgischer Heimatstadt Luckenwalde scheiterte vor einiger Zeit der Versuch, den Studentenführer zum Ehrenbürger zu ernennen. Auch das Vorhaben, seine ehemalige Schule nach ihm zu
benennen, lehnten die Verantwortlichen ab.
Und das Berliner Abgeordnetenhaus entschied zwar im Sommer diesen Jahres auf Antrag der Grünen mehrheitlich, Dutschkes letzte Ruhestätte in Berlin-Zehlendorf zum Ehrengrab zu erklären, aber auch
diese Entscheidung war nicht unumstritten. Die CDU-Fraktion im Landesparlament wandte sich gegen die Auszeichnung mit der Begründung, Dutschke habe sich gegen das Gewaltmonopol des Staates gewandt.
"In der 68-er-Bewegung habe ich die brennenden Autos gesehen", schimpfte CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky in der Debatte über das Ehrengrab.
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