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In Washington DC zeigt sich die politische Geschichte der USA in Monumenten, Memorials und Museen. Auch Donald Trump hinterlässt erste Spuren.
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Washington DC ist das politische Zentrum der USA, daher verwundert es nicht, dass die Hauptstadt viele Orte aufweist, die mit Symbolen aufgeladen sind. Dazu gehören die Denkmäler ebenso wie die Museen. In ihrer Summe erzählen sie die Geschichte der Vereinigten Staaten und rund um das Gewässer des Tidal Basin finden sich die Statuen und Memorials der Staatsgründer und ersten US-Präsidenten: Abraham Lincoln, Thomas Jefferson, Georg Washington. Aber auch die jüngere Geschichte hat ihre Spuren hinterlassen: etwa jene von John F. Kennedy auf dem Arlington Friedhof oder die von Richard Nixon im "Newseum".<p>Momentan ist Präsident Trump dabei, sich in die Stadt einzuschreiben. Wenn die Straßen durch die Polizei gesperrt werden und am Ende des Autokonvois mit der Regierungslimousine ein Krankenwagen mit dabei ist, weiß man, der Präsident ist unterwegs. Vielleicht zum ehemaligen Hauptpostamt an der Pennsylvania Avenue, eines der größten Gebäude der Hauptstadt, das mit seinen diversen Türmchen an ein riesiges Schloss erinnert. Heute ist das Gebäude an Donald Trump vermietet, der es zu einem Nobelhotel (fünf Sterne, Übernachtungen ab 800 Dollar) umgestaltet hat. Da das "Trump International Hotel" nur einen Katzensprung vom Weißen Haus entfernt liegt, kann es schon sein, dass der Chef mal persönlich vorbeischaut.
<p>Vorbeigeschaut hat auch ein Reporter des britischen "Daily Mirror" - und dabei herausgefunden, dass die meisten Dinge in Trumps Washingtoner Luxushotel nicht in den USA gefertigt wurden, sondern in Europa oder
Asien. Für einen Präsidenten, der die USA wieder groß machen will, und das vor allem durch die Stärkung heimischer Produktion, ist das ein bisschen peinlich.<p>
Das Newseum
<p>Es gibt zwei Institutionen der Stadt, in denen Trump noch nicht präsent ist. Da ist zum einen das genannte "Newseum" in einem modernen sechsstöckigen Gebäude, ebenfalls an der Pennsylvania Avenue. Das im Jahr 2008 eröffnete private Museum widmet sich dem Journalismus und der Pressefreiheit. Gezeigt werden unter anderem ein Stück der Berliner Mauer und die Spitze eines der zerstörten World-Trade-Türme von New York, dazu die jeweiligen Titelblätter der Tageszeitungen.<p>

Im fünften Stock wird die Geschichte des Journalismus erzählt. Ein Kapitel ist dabei dem Watergate-Skandal gewidmet: Anfang der 1970er Jahre enthüllte die "Washington Post" bekanntlich die Machenschaften des damaligen Präsidenten Richard Nixon rund um den Einbruch in das Büro der Demokratischen Partei. Angesichts der Berichte trat Nixon 1974 von seinem Amt zurück.<p>Auch heute ist die "Washington Post" fleißig dabei, Präsident Trump auf die Finger zu schauen. Die Zeitung hat zum Beispiel eine Redakteurin nur dazu abgestellt, die Behauptungen und Aussagen des US-Präsidenten auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen. Dass der jetzige Präsident einen Großteil der Presse als Feind betrachtet, gegen den er eifrig antwittert, ist längst kein Geheimnis mehr. Bis ins Newseum aber hat es die Medienfeindschaft von Trump noch nicht geschafft, wenn auch auf der letzten der Geschichtstafeln darauf hingewiesen wird, dass die Presse im 21. Jahrhundert zunehmend in die Kritik gerät . . .<p>Abwarten, wie die Dinge sich entwickeln, will man wohl auch im Besucherzentrum des Weißen Hauses. Der Wohn- und Regierungssitz des Präsidenten ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, daher will man diese "Welt" den Besuchern durch das "Visitor Center" zugänglich machen. Zu sehen sind dort allerlei Dinge über das Leben der Präsidenten und ihrer Familien im Weißen Haus. Man erfährt zum Beispiel, dass der frühere US-Präsident Ronald Reagan während seiner Regierungszeit Unmengen an Süßigkeiten in sich hinein futterte, genauer gesagt: drei Tonnen. Auf einer Tafel sind alle Porträts der bisherigen Regierungschefs im Weißen Haus zu sehen, die Serie hört allerdings bei Barack Obama auf. Trumps Konterfei fehlt in der Galerie der Mächtigen noch.<p>Welche Spuren der jetzige Präsident in der Stadt hinterlassen wird, steht noch in den Sternen. Demgegenüber steht das Urteil der Geschichte über Franklin D. Roosevelt fest, so meinten jedenfalls die Initiatoren seines weitläufigen Denkmals. Franklin D. Roosevelt (1882-1945), 32. Präsident der Vereinigten Staaten (und nicht zu verwechseln mit Theodore D. Roosvelt, dem 26. Präsidenten), steht für ein soziales Amerika und für Reformen zugunsten der Armen, der Arbeiter und Arbeitslosen.<p>
Geschichts-Tableau
<p>Das erst 1997 eingeweihte Denkmal am Ufer des Tidal Basin besteht nicht nur aus einer Statue, sondern zeigt auf einer begehbaren Fläche von 30.000 Quadratmetern die Geschichte der USA in zwölf Jahren seit den 1930er Jahren; wobei Wasserläufe und Wasserfälle die einzelnen Abschnitte symbolisieren. Roosevelt ist mit einem breitem Mantel, der den Stuhl verdeckt, sitzend dargestellt. Der Präsident war Zeit seines Lebens behindert und auf einen Rollstuhl angewiesen, was aber in der Öffentlichkeit kaum bekannt war. So zeigt ihn das Denkmal so, wie er den Menschen in Erinnerung geblieben war. Auf Proteste von Behindertenverbänden hin wurde dem Denkmal mittlerweile aber eine zweite Figur beigefügt, die Roosevelt im Rollstuhl zeigt.<p>Eine zentrale Figurengruppe des Denkmals stellt die Reihe der Arbeitslosen dar, die um Unterstützung anstehen. Der geschichtliche Hintergrund: 1929 begann mit einem gewaltigen Börsenkrach in den USA und auch weltweit die schwerwiegende wirtschaftliche Krise. Bis Mitte der 1930er Jahre stieg in Folge die Zahl der Arbeitslosen in den USA auf bis zu 14 Millionen, die Einkommen aus Arbeit fielen von 53 Milliarden Dollar (1929) auf 31,5 (1933). Die sozialen Auswirkungen der Krise betrafen alle Bereiche des alltäglichen Lebens. Hunderttausende von bisher berufstätigen Frauen kehrten (gezwungenermaßen) an den heimischen Herd zurück, arbeitslose junge Erwachsene verschoben ihre Ehe- und Kinderpläne. Die Zahl der geschlossenen Ehen sank ebenso wie die Geburtenrate. Vor den Suppenküchen der Wohlfahrtsorganisationen bildeten sich lange Warteschlangen und Hunger wurde wieder zu einem alltäglichen Phänomen.<p>
Der "New Deal"
<p>In dieser Situation verlangten die Amerikaner nach einer neuen Führung und einer neuen Politik - und machten dies 1932 an den Wahlurnen zugunsten des Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Franklin D. Roosevelt, deutlich. Sein Name ist untrennbar mit dem sogenannten "New Deal" verbunden - der Krisenbewältigung durch massive staatliche Interventionen. Dieser "New Deal" bestand aus einer Reihe wirtschafts- und sozialpolitischer Maßnahmen von Seiten des Staates, mit denen die Wirtschaftskrise überwunden werden sollte. Mit öffentlichen Mitteln wurden Straßen, Schulen, Flughäfen, Krankenhäuser, Spielplätze und Sportstätten gebaut und somit ein gigantisches Arbeitsbeschaffungsprogramm in die Wege geleitet.<p>So ist das Denkmal für Franklin D. Roosevelt nicht nur eines der interessantesten von Washington, sondern erinnert auch an eine Politik, die dem sogenannten "kleinen Mann" wirklich diente. Roosevelts Politik wäre kein schlechter Maßstab für die Beurteilung jener Maßnahmen, mittels derer die jetzige US-Regierung versucht, Amerika wieder "great" zu machen.<p>Und dann gibt es noch das "Spion-Museum" an der Ecke 8. und F-Street. Auf zwei Etagen werden die Besucher durch die Welt der Spione geschleust, können in Schuhabsätzen versteckte Funkgeräte oder das Auto von James Bond betrachten, eine "Spion-Schule" besuchen und systematisches Verschlüsseln üben.<p>Ob Donald Trump in diesem Museum wegen seiner umstrittenen Beziehungen zu Russland einmal einen Platz finden wird, ist noch unklar.
Rudolf Stumberger, geboren 1956, arbeitet als Journalist und freiberuflicher Dozent für Soziologie und Wirtschaft in München.
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