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Tabuthema sorgt für Diskussionen

Von Petra Tempfer

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Ein heikles Thema - souverän diskutiert: Die Transsexualität stand im Mittelpunkt des sachlichen und daher gelungenen "Club 2" am Mittwoch im ORF2. Auslöser war die Wandlung des Lehrers Walter S. einer Wiener HTL in Andrea, die diese Woche den Schulalltag wie gewohnt fortsetzen wollte, allerdings auf massive Kritik des Schuldirektors stieß. Das Ministerium gab ihr jedoch grünes Licht und setzte somit das Zeichen, dass eine massive Enttabuisierung des Themas im Gange ist: Andreas S., die verheiratet ist und zwei Kinder hat, darf weiter unterrichten.

Aufgrund des regen Medieninteresses und der vielen kritischen Stimmen blieb dennoch der bittere Nachgeschmack, dass Transsexualität für viele noch immer tabu zu sein scheint. Allein die Jugend reagiert bereits offener - kann doch Andrea S. mit dieser "vernünftig reden", wie sie im "Club 2" glaubhaft betont. Die Ethnologin und "TransX"-Obfrau Eva Fels geht noch einen Schritt weiter und fordert verwegen die offizielle Eintragung eines dritten Geschlechts in den Reisepass. Dass dieses Thema früher die Menschen vermutlich noch stärker in Aufruhr versetzt hätte, zeigt das Schicksal Erik Schineggers. In den 1960er-Jahren sorgte er für Schlagzeilen, als er als Erika Weltmeisterin im Abfahrtslauf wurde, bis man festgestellte, dass er genetisch männlich ist. Die Änderung des Namens Erika in Erik im Reisepass nahm damals ein ganzes Jahr in Anspruch. Auf Anfrage des sympathischer Weise unvoreingenommen und routiniert agierenden Diskussionsleiters Rudolf Nagiller berichtet Schinegger nun im Fernsehen ohne Hemmungen über die Art und Weise der nach seinem Outing folgenden Operation - vor 50 Jahren wäre dieser Zugang zur Transsexualität wohl undenkbar gewesen.

medienkritik@wienerzeitung.at