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Tadic muss in die Stichwahl

Von WZ-Korrespondent Christian Wehrschütz

Europaarchiv

Sozialist Dacic und seine Partei SPS erreichen mit 14 Prozent dritten Platz.


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Belgrad. Der Kampf um das Präsidentenamt in Serbien wird erst in der Stichwahl in zwei Wochen entschieden. Nach ersten Hochrechnungen vom Sonntag führt Staatspräsident Boris Tadic in der ersten Runde äußerst knapp vor seinem Herausforderer Tomislav Nikolic. Tadic erhielt bei einer Auszählungsquote von 18,8 Prozent 26,1 Prozent der Stimmen. Der Chef der oppositionellen Serbischen Fortschrittlichen Partei (SNS), Nikolic, lag mit 25,9 Prozent knapp dahinter. Auf Platz drei landete laut den Hochrechnungen des nichtstaatlichen Belgrader Zentrums für Freie Wahlen und Demokratie (Cesid) mit rund 14 Prozent der Sozialist Ivica Dacic.

Den Wählern seiner SPS kommt bei der Stichwahl eine Schlüsselrolle zu. Ebenso wie bei den Koalitionsverhandlungen. Dadics Sozialisten dürften jedenfalls auch einer der Gewinner der Parlamentswahl sein. Dort liegt das Wahlbündnis nach derzeitigen Hochrechnungen ebenfalls bei 14 Prozent. Tadics Demokratische Partei (DS) und die Nikolics Fortschrittspartei (SNS) liefern sich laut den Hochrechnungen auch hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen - beide liegen laut Cesid bei rund 25 Prozent. Im Parlament mit seinen 250 Sitzen kommen beide Parteien auf mehr als 70 Sitze.

Die DS könnte mit ihrem bisherigen sozialistischen Koalitionspartner und den Liberalen eine klare Mehrheit erreichen, wenn sich die vorläufigen Ergebnisse bestätigen. Sicher ist, dass die Wahlen in Serbien jedenfalls zu einer massiven Niederlage der Ultranationalisten geführt haben. Ein Grund dafür ist, dass sich Nikolic vor drei Jahren von ihnen abgespalten und mit der SNS eine Mitte-Rechtspartei gegründet hat. Etwa 80 Prozent aller Parteien, die ins Parlament einziehen werden, bekennen sich nun zum EU-Beitritt Serbiens.

Der Wahlsonntag ist zunächst ruhig verlaufen. Auch aus dem Kosovo, wo die Stimmabgabe für die serbische Volksgruppe von der Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) organisiert wurde, wurden bis Nachmittag keine Probleme gemeldet.

Nach Angaben von Cesid belief sich die Wahlbeteiligung in Serbien bis 14 Uhr auf 32,1 Prozent. Die staatliche Wahlkommission gab sie in derselben Zeitspanne mit 31,4 Prozent an. Bei der Präsidentenwahl im Jahr 2008 hatten zu diesem Zeitpunkt 33 Prozent ihre Stimmen abgegeben, bei der Parlamentswahl im Mai 2008 waren es 29,4 Prozent gewesen.

Die höchste Beteiligung wurde laut Cesisd mit 33,2 Prozent in Zentralserbien verbucht, die niedrigste mit 29,4 Prozent in Belgrad. In der nordserbischen Provinz Vojvodina nahmen bis 14.00 Uhr 31 Prozent der Stimmberechtigten an dem Urnengang teil. Die serbische Hauptstadt und die Vojvodina gelten als Stützpunkte der regierenden Demokratischen Partei (DS), in Zentralserbien ist früheren Meinungsumfragen zufolge die oppositionelle Serbische Fortschrittliche Partei (SNS) stärker. Medien berichteten in den frühen Nachmittagsstunden über ein größeres Wahlinteresse auch unter den Kosovo-Serben, konkrete Daten lagen allerdings nicht vor.

Die beiden Favoriten für das Präsidentenamt, Tadic und Nikolic, zeigten sich nach der Stimmabgabe in Belgrad optimistisch. Die Wahlentscheidung der Bürger sei für ihre Zukunft, die Zukunft ihrer Kinder, für Serbien, aber auch die ganze Region und für die Stabilität Europas von Bedeutung, sagte Tadic.