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Talat: Unsere Stimme wird in der Union nicht gehört

Von Martyna Czarnowska

Europaarchiv

"WZ"-Interview mit dem Volksgruppenführer der türkischen Zyprioten. | "Wiener Zeitung":Seit zweieinhalb Jahren ist ganz Zypern EU-Mitglied. Doch an der politischen Isolation des Nordens - und damit der türkischen Zyprioten - hat sich nichts geändert.


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Mehmet Ali Talat: Die Situation ist sogar schlimmer geworden. Das Zypern-Problem hat sich von den Vereinten Nationen (die an einer Lösung des Konflikts arbeiten) auf EU-Ebene verlagert. Dafür haben die griechischen Zyprioten gesorgt. Und bei jedem Versuch der EU, die Türkei dazu zu bewegen, ihre Häfen und Flughäfen für die Republik Zypern zu öffnen, wird der gesamte Konflikt aufs Tapet gebracht.

Die EU verknüpft die Fragen aber. Sie will die Beitrittsverhandlungen mit Ankara teilweise aussetzen - auch wegen Zypern. Was würde denn passieren, wenn die Türkei ihre Häfen öffnen würde?

Dann bliebe die Isolation der türkischen Zyprioten bestehen.

Andernfalls wird die Türkei aber nicht Mitglied der EU.

Das würde den griechischen Zyprioten, der EU, der Türkei und den türkischen Zyprioten schaden. Ich denke also nicht, dass die EU Druck auf die Türkei ausübt ohne auch Druck auf die griechischen Zyprioten zu machen.

Die Regierung in Ankara behauptet, Zypern werde als Geisel im türkischen EU-Annäherungsprozess gehalten...

Was stimmt.

Und umgekehrt behauptet Nikosia, die Türkei hält Zypern als Geisel. Als wessen Geisel fühlen Sie sich?

Die Türkei unterstützt die Lösungsfindung. Die griechischen Zyprioten aber haben bei einem Referendum Nein zu einem UN-Plan zur Wiedervereinigung gesagt und wollen sich auch jetzt nicht mit uns an den Verhandlungstisch setzen. Und sie sagen, wir wären eine Geisel der Türkei? Das ist ein schamloses Argument.

Jeder spricht über das Zypern-Problem: die EU, die Türkei, die Republik Zypern. Wo ist die Stimme der türkischen Zyprioten?

Das ist die Ironie der Geschichte. Wir sind nicht vertreten. Und was noch interessanter ist: Seit Zypern EU-Mitglied ist, werden die türkischen von den griechischen Zyprioten repräsentiert, von ihren Gegenspielern. Sie können kein anderes Beispiel für so etwas in ganz Europa finden.

Was können Sie also tun?

Fragen Sie doch die Europäische Union! Unsere Stimme wird dort nicht gehört, was die europäischen Werte verletzt. Wir können uns nur bemühen, unsere Ideen zu erklären.

Es hat den Vorschlag gegeben, den nordzypriotischen Hafen Famagusta für den internationalen Handel zu öffnen. Der Plan ist gescheitert. Was ist schief gelaufen?

Dabei wurden einmal mehr der EU-Annäherungsprozess der Türkei und das Zypern-Problem miteinander vermischt. Das Versprechen der EU, die Isolation Nordzyperns aufzuheben, war aber an keine Bedingungen geknüpft. Immerhin haben wir Ja zum UN-Wiedervereinigungsplan gesagt. Für die Öffnung Famagustas wollten die griechischen Zyprioten den Stadtteil Varosha (derzeit militärisches Sperrgebiet). Warum sollten wir ihnen etwas geben für etwas, das uns sowieso zusteht? Wir wollen eine Gesamtlösung.

Teile davon wollen Sie nicht?

Wir möchten eine vernünftige Lösung. Wir wollen etwas hergeben, aber dafür auch etwas bekommen. Doch in der derzeitigen Situation, in der die griechischen Zyprioten favorisiert werden und der einseitige Druck der EU auf die Türkei wächst, sind die türkischen Zyprioten nicht gerade ermutigt, sich stark bei einer Lösungsfindung zu engagieren.

Der Druck der EU auf die Türkei ist für Sie kontraproduktiv bei der Lösungssuche für das Zypern-Problem?

Ja. Die EU sollte vielmehr Druck auf die griechischen Zyprioten ausüben.