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Talfahrt in der Eventbranche vorerst vorbei

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft

Trends: Besucher werden zu Akteuren, online wird zum Mitmachen aufgerufen.


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Wien. Für die Eventveranstalter läuft das Geschäft nach einer Talfahrt in den beiden Vorjahren nun wieder besser: "Seit Beginn 2011 hat die Branche den gesamten Boden wiedergutgemacht", sagt Andreas Hladky, Branchensprecher in der Wirtschaftskammer Österreich. Bis Jahresmitte 2012 schaue es gut aus für die österreichischen Eventagenturen.

Dennoch rät Hladky Veranstaltern, jetzt nicht Personal "hochzurüsten". Aufgrund der derzeit unsicheren Wirtschaftslage stelle sich die Frage, ob die Auftraggeber ihre Veranstaltungs-Budgets 2012 zusammenstreichen. "Die Eventbranche merkt Wirtschaftskrisen ein Jahr später, dafür aber voll." Viele Unternehmen seien in den Krisenjahren 2009 und 2010 vom Markt verschwunden, weil sie sich infolge von mangelnden Aufträgen verschuldet haben. Von öffentlichen Auftraggebern erwartet der Chef der Agentur Hallamasch derzeit "wenig Innovationen bei Events" - denn vor allem Gemeinden müssen sparen.

In den Marketingabteilungen der Firmen habe die Wirtschaftskrise ein Umdenken bewirkt: "Unternehmen investieren anders in die Marke." Die Budgets wurden gekürzt, Firmen hinterfragen nun genau, was ihnen eine Veranstaltung bringt - und wollen aus einem Event mehr herausholen.

Gäste dürfen sich nicht alsStatisten fühlen

Mit digitalen Hilfsmitteln wie Youtube, Twitter und Facebook kann sich die Veranstaltung an ein größeres Publikum richten. Produktpräsentationen von Apple oder Microsoft werden beispielsweise im Internet von hunderttausenden Nutzern verfolgt. "Die Digitalisierung stellt die Eventbranche vor einen enormen Umbruch, wird ihr aber auch zum Durchbruch als Marketing-Werkzeug verhelfen", ist Hladky überzeugt.

Durch die Vorab- und Nachberichterstattung gerät die Veranstaltung selbst zum "Live-Höhepunkt im digitalen Strom", wie Harry Gatterer, Geschäftsführer des Zukunftsinstituts in Wien, in der Studie "Event der Zukunft" herausgearbeitet hat. Die Besucher verabreden sich vorab für das Live-Event, Einladungen werden künftig digital überbracht, die Eintrittskarte auf das Smartphone versendet. "Die verschiedenen digitalen Werkzeuge müssen aber sinnvoll verwendet werden", betont Gatterer. Ablenkend wirke beispielsweise eine "Twitterwall", also ein Monitor, auf dem Kurznachrichten zu lesen sind, in denen die Zuhörer via Twitter Kommentare zum Vortrag abgeben.

Ein Event sollte aber nicht aus dem Grund stattfinden, um es anschließend online verbreiten zu können, warnt der Trendforscher: "Events sollten einen Augenblick des Glücks bieten - und das funktioniert nicht, wenn die Gäste ständig Kameras im Weg stehen und sich als Kulisse fühlen."

Sinn macht es hingegen, über Plattformen wie Facebook zur Beteiligung aufzurufen - wie bei der "Lets do it"-Bewegung, die 2008 in Estland ihren Ursprung nahm. 50.000 Freiwillige sammelten dabei in fünf Stunden 10.000 Tonnen illegal abgelagerten Müll - koordiniert wurde über das Web, wo die Fundorte vorab hinaufgeladen wurden. 2012 wird weltweit zu 100 Clean-Up-Days aufgerufen.

Im Trend sind neue Formate, bei denen sich vorher unbekannte Menschen treffen und die aus Besuchern Akteure machen - etwa "Open Kitchen" oder "Pornokaraoke", wo im Kino Schmuddelfilme aus den 1960er und 70er Jahren ohne Ton laufen und die Zuseher selbst synchronisieren. Schon jetzt reicht die Bandbreite "vom Almabtrieb über Beachvolleyball-Turniere bis zum Opernball", so Hladky. Wichtig ist laut Gatterer, ein Event dramaturgisch aufzubauen und Geschichten zu erzählen. Ein Muss werde die Berücksichtigung des ökologischen Aspekts (Stichwort: Green Event).

Neue Zertifizierung soll Professionalisierung stärken

Die Wirtschaftskammer will indes mit einer geänderten Zertifizierung dafür sorgen, "dass niemand ohne einschlägige Berufsausbildung in der Branche arbeitet", so Hladky. Von mehr als 5000 Gewerbescheininhabern für Veranstaltungsorganisation haben sich bisher erst 35 zertifizieren lassen. Das neue, günstigere System soll auch für kleinere und Ein-Personen-Unternehmen attraktiv sein, die den Großteil der Branche ausmachen. TÜV Austria zertifiziert Personen in drei Stufen: Vom "Eventindustry Aspirant" über den "Certified Event Specialist" bis zum "Certified Eventmarkting Expert". Das Qualitätssiegel der WKO erhalten jene Betriebe, in denen mindestens ein Mitarbeiter TÜV-zertifiziert ist.

Damit will die Branche bei den Auftraggebern Bewusstsein für Qualität schaffen. Angepeilt wird eine dreistellige Anzahl an Zertifizierungen - "wir richten uns an jene Unternehmen, die länger als drei Jahre in der Branche bleiben wollen", so Hladky mit Blick auf Firmen, die nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwinden.

Die Studie "Event der Zukunft" steht unter www.eventnet.at kostenfrei zum Herunterladen bereit.