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Taliban setzen auf den Partisanenkampf

Von David Fox

Politik

Islamabad - Sollte es nach den Anschlägen von New York und Washington zu einem Angriff der USA auf Afghanistan kommen, käme dies einem Kampf zwischen David und Goliath gleich. Doch die im jahrelangen Partisanenkampf bewährten Afghanen haben bereits im zehnjährigen Krieg gegen die Sowjetunion bewiesen, dass sie sich nicht von einer Großmacht in die Knie zwingen lassen.


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Die Strategie der USA, die im Golfkrieg 1991 gegen den Irak den Erfolg brachte, dürfte gegen die in der Guerilla-Taktik geschulten Afghanen aber ins Leere laufen. Vernichtende Luftangriffe und der anschließende massive Einsatz von Bodentruppen mit modernen Waffen führten in der Wüste Iraks zum Erfolg. Doch in Afghanistan ist die Lage anders. Militärische Angriffsziele bietet die in kleinen Kampfgruppen organisierte Partisanenarmee der Taliban nicht. "Ein Flächenbombardement wäre sinnlos. Da würden nur Steine hin und herfliegen", meint hierzu ein Militärexperte.

Das zerklüftete Hochland Afghanistans bietet hingegen ideale Voraussetzungen für den Guerillakampf. Aus Verstecken in den Bergen könnten die Taliban Besatzungstruppen angreifen und sich danach wieder zurückziehen. Mit dieser Taktik kämpften die Afghanen bereits erfolgreich im 19. Jahrhundert gegen die Briten.

Auf eine offene Feldschlacht werden die Afghanen sich wegen der überlegenen Feuerkraft der USA wohl nicht einlassen. Nach Erkenntnissen des Internationalen Instituts für Strategische Studien verfügen die Taliban nur über etwa zwei Dutzend Kampfhubschrauber und ein halbes Dutzend Kampfflugzeuge.

Gegen einen Einsatz der afghanischen Luftwaffe spricht, dass die Taliban nicht auf die unbedingte Loyalität der hoch bezahlten Piloten setzen können, wie Ahmed Rashid, der Autor des Buchs "The Taliban" meint. Sollte es zu US-Luftangriffen kommen, hätten die Taliban dem kaum etwas entgegenzusetzen. Afghanistan verfügt auch über keine Flugabwehrstellungen. Allerdings können die Taliban-Kämpfer tragbare Flugabwehrraketen vom Typ Sam-7 und Stinger abfeuern, die mit der Hilfe von Wärmesensoren Flugzeuge treffen. Die Taliban besitzen auch schwere Artillerie, wie einer modernen Variante der im Zweiten Weltkrieg von den Sowjets eingesetzen Stalin-Orgel. Auch die rund 100 veralteten Panzer russischer Bauart dürften leicht zu treffende Ziele für die hoch modernen US-Kampfhubschrauber abgeben.

Die Truppenstärke der Taliban schätzt Rashid auf rund 25.000 Kämpfer. Im Ernstfall könnten kurzfristig bis zu 45.000 Mann mobilisiert werden. Reuters