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Tanktouristen heben Spritabsatz

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Zur Dauerbrenner-Debatte um die Höhe der heimischen Spritpreise hat BP-Austria-Chef Hans Strassl gelassen nur eines vorzubringen: Der Benzin- und Dieselabsatz in Österreich steigt rasant, weil die Nachbarn in den Grenzregionen ins billigere Österreich zum Tanken kommen.


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BP Austria, bis zur Übernahme der über 100 heimischen Avanti-Tankstellen durch die OMV Österreichs Nummer 1 am Treibstoffmarkt, hat die Aral-Integration abgeschlossen und im Vorjahr mit 600 Stationen rund 1,4 Mill. t Benzin und Diesel abgesetzt. Insgesamt wurden 3 Mio. t Produkte verkauft, gut ein Viertel des Gesamtmarktes. 2003 sieht BP den Markt auf 12 Mill. t und sich selbst auf 1,5 Mill. t Treibstoffe wachse.

Bis April habe heuer der heimische Treibstoffabsatz um etwa 6 bis 7% zugelegt, dieses Wachstum erwarte man auch für das Gesamtjahr, sagte Strassl am Dienstag im Bilanzpressegespräch. Diese für einen "reifen" - sprich gesättigten, von rückläufigem spezifischem Verbrauch gekennzeichneten - Markt völlig atypische Entwicklung - "eigentlich müssten die Absätze stagnieren" - sei klar durch den "Tanktourismus" geprägt, der sich nach der letzten deutschen Ökosteuer-Erhöhung noch verstärkt habe. Infolge des verstärkten Treibstoffabsatzes in den Grenzregionen und entlang der Autobahnen - dort auch durch den Schwerlastverkehr - würden Tankstellen in Österreich wieder wirtschaftlich, meinte der Leiter des BP-Zapfsäulengeschäfts, Ex-Aral-Austria-Chef Werner Lohrberg. Auch die steigenden Shop-Umsätze - im Vorjahr plus 12% - tragen dazu bei.

Dennoch hält er eine Zahl von 2.000 Tankstellen in Österreich für ausreichend - derzeit sind es 3.000. BP will von den 600 Stationen heuer 20 schließen, auch nächstes Jahr könnten ebenso viele zusperren. Andere Ketten würden ähnliche Reduzierungen vornehmen.

Dass die OMV mit dem für das 3. Quartal erwarteten Abschluss der Avanti-Übernahme wieder zum heimischen Treibstoff-Marktführer avancieren wird, ist für Lohrberg unerheblich: "Ob wir die Nr. 1 oder 2 sind, ist egal für uns." Die Marktführerschaft in Österreich hinsichtlich Stationszahl unter einer Marke und den Treibstoffmengen hat BP durch die Integration des Aral-Netzes erlangt. Bis Ende Oktober sollen die 152 Aral-Stationen auf das grün-gelbe "Helios"-Design der BP umgerüstet werden. Anfang 2003 beschäftigte die neue BP Austria samt Tochtergesellschaften 606 Mitarbeiter. Im Vorjahr wurden insgesamt knapp 2,7 Mrd. Euro umgesetzt. Der Jahresgewinn der Gruppe betrug 14,6 Mill Euro - nach einem Verlust von 9,5 Mill. im Jahr davor.

Immer wichtiger wird in den "reifen Märkten" der zusätzliche gesellschaftliche Nutzen den eine Company bieten kann, so das Credo der britischen Mutter, weltweit Nummer 2 unter den Ölriesen. Thema Nr. 1 dabei ist die Umwelt - "beyond petroleum" (weit mehr als Erdöl) - der Slogan: In Österreich sind schon 13 Stationen mit Solardächern für die Stromversorgung ausgestattet, mit dem kombinierten Schiene-Strasse Tankcontainer-Transportsystem bilanziert BP Austria eine deutliche Reduktion der Schadstoffemissionen.