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Fritz Keller koordiniert den Talente-Tauschkreis in Salzburg. | "In Japan stützen Tauschgeschäfte die Altersvorsorge."
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"Wiener Zeitung":Welchen Vorteil bietet das Tauschsystem?Fritz Keller: Menschen mit niedrigem Einkommen profitieren von dieser Form des Wirtschaftens, da sie ohne Geld Leistung bekommen und erbringen können.
Was motiviert die Menschen, bei einem Tauschkreis mitzumachen?
Es gibt drei Grundmotive, die als gleichwertig betrachtet werden können. Zum einen ist die Hilfe zur Selbsthilfe, zum anderen ist der soziale, gemeinschaftliche Aspekt wichtig. Darüber hinaus sind Tauschkreise als eine alternative Form des Wirtschaftens für viele attraktiv.
Wie viele Mitglieder verzeichnet der Talente-Tauschkreis Salzburg?
Unser Verein besteht aus circa 100 Mitgliedern, etwa die Hälfte davon ist regelmäßig aktiv. Wenn die kritische Größe von 150 Personen überschritten ist, dann können alle Bedürfnisse optimal gedeckt werden.
Wer darf mitmachen und was wird alles getauscht?
Der Tauschkreis ist völlig offen, es kann jeder aktiv werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf integrativen Angeboten, Rassismus wird nicht geduldet. Getauscht werden vor allem handwerkliche Tätigkeiten wie Gartenarbeit und Haushaltshilfe, weiters Taxifahrten, soziale Dienste wie Begleitung zum Arzt oder Hilfe beim Übersiedeln. Darüber hinaus bieten Bäcker, Zahnärzte, Rechtsanwälte und Steuerberater ihre Dienste an.
Wie funktioniert das Tauschgeschäft?
Als Währung dienen Zeiteinheiten, abgerechnet wird über ein Zeitkonto. In der Regel wird im Verhältnis von 1:1 getauscht. Wenn jedoch ein Mehraufwand anfällt, zum Beispiel durch die Nutzung von Werkzeugen oder Maschinen, dann wird das Tauschverhältnis individuell ausgehandelt.
Gibt es steuerrechtliche Konflikte?
Das Tauschvolumen bewegt sich meistens in einer Höhe, bei der die steuerlichen Grenzen nicht erreicht werden.
Verzeichnet Ihr Tauschkreis steigende Mitgliederzahlen?
Durch die vermehrte Medienberichterstattung können wir uns über verstärkten Zulauf, vorwiegend aus dem Bildungsbürgertum, freuen. Die Menschen sind frustriert vom unmoralischen Wirtschaftssystem und protestieren mit ihrer Teilnahme an Tauschkreisen dagegen. Die Menschen interessieren sich für die Idee, ohne Geld überleben zu können.
Wie sieht es in anderen Staaten aus?
In Japan beispielsweise würde die Altersvorsorge ohne das Tauschgeschäft zusammenbrechen. Ältere Menschen leisten in ihrer aktiven Zeit Arbeit, die ihnen auf einem Stundenkonto gutgeschrieben wird. Im hohen Alter wird das Guthaben gegen Pflegeleistungen zurückgetauscht.
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