Zum Hauptinhalt springen

Technik könnte CO 2 -Emissionen bis 2050 auf heutigem Niveau halten

Von Harald Waiglein

Wirtschaft

IEA-Studie: Bündel von Maßnahmen | ermöglicht nachhaltige Energiepolitik. | Wien/Paris. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) befasst sich in einer neuen Studie mit Möglichkeiten, trotz steigender Energie nachfrage den Ausstoß von CO 2 in Zukunft einzuschränken.


Ihr Fazit: Technisch wäre es durchaus möglich, die CO 2 -Emissionen bis 2050 wieder auf das Niveau von heute zu senken, obwohl sich die Energie-Nachfrage bis dahin mehr als verdoppeln wird.

Eine solche Strategie würde laut IEA drei Bereiche umfassen müssen. Erstens müßte die Energie-Effizienz in Verkehr, Industrie und Gebäuden erhöht werden. Das Potential dafür ist laut IEA hoch: Neue Gebäude könnten beispielsweise durch bessere Wärmedämmung und Heizanlagen mit 30 Prozent der Energie vergleichbarer alter Gebäude auskommen. Zweitens muss laut IEA der Bereich Stromerzeugung entkarbonisiert werden. Das könnte durch den vermehrten Einsatz von erneuerbaren Energien, Erdgas und Atomenergie bewerkstelligt werden sowie durch eine Technik namens "Carbon Dioxide Capture and Storage" (CCS). Dabei wird CO 2 aus fossilen Brennstoffen abgeschieden, chemisch an Feststoffe gebunden und unterirdisch gelagert.

Diese Technik ist derzeit noch sehr teuer, es gibt aber vielversprechende Pilotversuche.

Der dritte Bereich ist der verstärkte Einsatz von Biotreibstoffen im Verkehr. Auch hier gibt es bereits technische Möglichkeiten wie etwa Treibstoffe aus Ethanol, Diesel aus Raps oder Biogas betriebene Autos.

Fünf Szenarien - und noch ein weiteres

Die IEA hat fünf Szenarien berechnet. Ausgangslage ist die Prognose, dass der CO 2 -Ausstoß weltweit ohne Maßnahmen in etwa zweieinhalbmal so hoch sein wird wie heute.

Im ersten Szenario (komplett) geht die IEA davon aus, dass alle technisch möglichen Maßnahmen umgesetzt werden. Dabei würde sich der CO 2 -Ausstoß bis 2050 nur um 6 Prozent erhöhen. Im zweiten Szenario (wenig Atom) besteht die Annahme, dass der Ausbau der Atomenergie wegen politischer Widerstände geringer ausfällt.

Das dritte Szenario (wenig Erneuerbare) nimmt an, dass der Ausbau erneuerbarer Energien schwieriger ist als erwartet, das vierte (Kein CCS) geht davon aus, dass die CCS-Technik nicht auf kommerziell nutzbares Niveau gebracht werden kann. Beim fünften Szenario (wenig Effizienz) sind die Energiesparmaßnahmen weniger erfolgreich als erwartet.

Neben den fünf realistischen Szenarios hat die IEA noch ein sechstes, optimistisches errechnet. Dieses geht davon aus, dass es einen technischen Durchbruch bei der Wasserstoff-Brennstoffzelle gibt (derzeit noch nicht absehbar), und dass Atomenergie in viel größerem Ausmaß eingesetzt wird als in den anderen Szenarien (der Anteil am gesamten Energieverbrauch läge bei über 22 statt bei 16-19 Prozent). So ließe sich der CO 2 -Ausstoß bis 2050 nicht nur stabilisieren, sondern sogar um 16 Prozent verringern.