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Teheran 1979 und Islamabad 2007

Von David Ignatius

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Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Ein Rückblick auf vergangene Ereignisse trägt oft zum besseren Verständnis aktueller Entwicklungen bei. Aus der Geschichte zu lernen heißt, Fehler nicht zu wiederholen. | Um die gegenwärtige Krise in Pakistan besser zu verstehen, sollte man sie einmal neben die iranische Revolution vor 30 Jahren stellen - ein Erdbeben, dessen Nachwirkungen den Nahen Osten bis heute erschüttern. Der Schah war ein Freund der USA; und auch der pakistanische Präsident Pervez Musharraf ist ein Freund der USA. Der Schah ignorierte seinerzeit die Warnungen der USA, das undemokratische Regime fortzusetzen; ebenso wie Musharraf heute.


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Die USA hofften, dass gemäßigte iranische Oppositionsführer das Land vor den muslimischen Fanatikern retten könnten - so wie heute in Pakistan. Aber die Explosion war nicht aufzuhalten. Einen gewaltigen Unterschied gibt es allerdings: Pakistan besitzt Atomwaffen.

Im Nachhinein ist man immer gescheiter: Welche Iranpolitik hätten die USA damals betreiben sollen? Auch nach 30 Jahren ist es gar nicht so einfach, diese Frage ohne Wenn und Aber zu beantworten. Viele US-Bürger haben das Gefühl, die USA hätten im Iran viel früher Druck für Reformen machen müssen. Die USA hätten schneller als der Revolutionssturm sein sollen. Sie hätten schneller handeln sollen, als sich die Anhänger von Ayatollah Khomeini der iranischen Erneuerungsbewegung bemächtigen konnten, schneller also, als diese den modernen säkularen Staat, der im Entstehen war, zerstören konnten.

Für die Advokaten der Intervention trifft das auch heute in Pakistan zu. Da eine Veränderung bevorstehe, argumentieren sie, sollten die USA mit verantwortungsbewussten Oppositionsführern wie der früheren Premierministerin Benazir Bhutto zusammenarbeiten, um den politischen Wechsel zu unterstützen.

Wenn Musharraf nicht zu den für Jänner geplanten Parlamentswahlen steht, sollten ihn die USA unter Druck setzen, und zwar durch Kürzen des monatlichen Hilfspakets von derzeit 150 Millionen Dollar.

Allerdings seien die USA heute in Pakistan, so argumentieren die meisten, in einer wesentlich besseren Lage als damals im Iran. Schon vor Monaten übte die Bush-Regierung Druck auf Musharraf aus, Benazir Bhutto die Rückkehr zu erlauben. Und bei vielen der Demonstranten in den Straßen von Lahore, Islamabad und Karachi handelt es sich nicht um reaktionäre Islamisten, sondern um Rechtsanwälte, deren Führer nicht Osama bin Laden ist.

Aber während wir uns die Geburtswehen eines neuen Pakistan anschauen, wissen wir, dass Mitglieder der Al-Kaida planen, das Chaos für ihre Zwecke zu nützen. Und wir wissen: Wird Musharraf gestürzt, werden die pakistanischen Atomwaffen zu einer neuen Bedrohung - und erst recht das Spaltmaterial, das andere in die Lage versetzt, Atomwaffen herzustellen.

Aber die Wahrheit über die Verhältnisse im Iran vor 30 Jahren und die Lage in Pakistan heute ist wohl, dass Außenstehende die Kräfte, die hier am Werk sind, nicht gut genug verstehen, um sinnvoll eingreifen zu können. Die Katastrophe im Iran geht teilweise auf das Konto der US-Einmischungspolitik. Auch Pakistan hatte im Laufe der Jahre schon unter allzu großer Interventionsfreudigkeit der USA zu leiden.

Die Menschen in Pakistan gehen auf die Straße und protestieren für Demokratie. Ich hoffe, sie haben Erfolg und es entsteht ein Pakistan, das freier und demokratischer ist. Und ich bete darum, dass die Reformer mit dem pakistanischen Militär zusammenarbeiten, um Bestrebungen der Al-Kaida und der Taliban im Zaum zu halten, auch den geringsten Anschein von Demokratie im Land zu zerstören.

Aber ein neues Pakistan zu schaffen, das ist Sache der Pakistaner. Wie die Geschichte zeigt, geht umso mehr schief, je mehr die USA sich einmischen.

Übersetzung: Redaktion