Zum Hauptinhalt springen

Telekom will Funkmastenbetrieb noch heuer an Wiens Börse bringen

Von Karl Leban

Wirtschaft

Heimischer Konzern gliedert Funkmasten in eigene Gesellschaft aus. Die soll sich auf die Vermietung konzentrieren.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 1 Jahr in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Paukenschlag bei der teilstaatlichen Telekom Austria: Die Ex-Monopolistin wird den Betrieb ihrer rund 15.000 Mobilfunkmasten abspalten und einer eigenen, noch zu gründenden Gesellschaft übertragen. Ein Verkauf der Masten sei nicht geplant, gab die Öbag in einer Aussendung bekannt. Die Staatsholding hält 28,42 Prozent an der börsennotierten Telekom, die mehrheitlich - zu 51,00 Prozent - dem mexikanischen Mobilfunkunternehmen América Móvil gehört. Beide Kernaktionäre haben die Ausgliederung der Masten im Zuge der Verlängerung ihres Syndikatsvertrages, der nun bis 2033 laufen soll, vereinbart.

Geplant ist, die künftige Funkmastengesellschaft an die Wiener Börse zu bringen - "auf alle Fälle noch heuer", wie der Konzernsprecher der Telekom, Michael Höfler, am Dienstag auf Anfrage der "Wiener Zeitung" sagte. Nachsatz: "Das alles soll relativ zügig umgesetzt werden."

Die Ausgliederung selbst stand bereits länger zur Debatte. Mit Blick auf den jetzigen Beschluss sprach Höfler von einer "Grundsatzvereinbarung". Das letzte Wort dabei haben zwar der Telekom-Aufsichtsrat (am 20. Februar), die Hauptversammlung der Telekom und der Öbag-Aufsichtsrat. Doch diese finalen Beschlüsse sind bloß Formsache, weil sich América Móvil und Öbag ja bereits einig sind.

Zwei getrennte Gesellschaften

"Die Umsetzung der Ausgliederung des Funkmastenbetriebs wird keine Änderungen an den Eigentümerverhältnissen der Kernaktionäre nach sich ziehen", hieß es in der Aussendung der staatlichen Beteiligungsholding. Das bedeutet, dass América Móvil und Öbag auch an der neuen Mastengesellschaft mit 51,00 beziehungsweise 28,42 Prozent beteiligt sein werden - wie bei der Telekom. Der Streubesitz wird mit 20,58 Prozent ebenfalls verhältniswahrend im neuen Unternehmen abgebildet sein. In Zukunft halten die heutigen Aktionäre der Telekom ihre Aktien an zwei getrennten Gesellschaften.

Zu den Gründen der geplanten Abspaltung, die internationalen Beispielen folgt, sagte Telekom-Sprecher Höfler, dass der Betrieb von Funkmasten nicht zum Kerngeschäft eines Mobilfunkunternehmens gehöre. Eine eigene, für die Masten zuständige Gesellschaft könne ihren Fokus jedoch voll und ganz auf das Geschäft mit langfristigen Vermietungen an andere Mobilfunkanbieter richten. "Unabhängig davon bleiben die Funkmasten im Einflussbereich der Telekom Austria", betonte Höfler. Funkmasten gelten als "passive Infrastruktur" (wobei das eigentliche Herzstück bei einem Mobilfunker die Sendeanlagen sind).

Nach den Angaben der Öbag wird die unabhängig geführte Gesellschaft "zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten wahrnehmen und Wachstum generieren können". Wie die Staatsholding weiter erklärte, ergäben sich dadurch "Vorteile für alle Konsumentinnen und Konsumenten, da Doppelgleisigkeiten im Netzausbau verringert und die Kosten für den Netzausbau gesenkt werden können".

Für Investoren wiederum, die wie große Pensionsfonds etwa stabile Dividenden schätzen, seien solche Infrastrukturgesellschaften interessant, hieß es aus involvierten Kreisen. Dies werde dann auch an der Börse honoriert: So werde der Funkmastenbetrieb in einer eigenen Aktiengesellschaft dreimal höher bewertet als in einem reinen Telekomkonzern.

An der Börse kamen die Pläne zur Ausgliederung jedenfalls sehr gut an. In der Spitze legte die im Wiener ATX-Prime gelistete Telekom-Aktie am Dienstag um 6,6 Prozent auf 6,62 Euro (Tageshoch) zu.

Telekom-Vorstand wird kleiner

Indes beinhaltet der neue - um zehn Jahre verlängerte - Syndikatsvertrag zwischen der Öbag und América Móvil die Fortsetzung des sogenannten Österreich-Pakets. Dieses sichert der Telekom auch weiterhin etwa den Firmensitz in Wien und die Notierung an der Wiener Börse. Darüber hinaus werden wie bisher zwei Aufsichtsräte von der Öbag nominiert - ebenso wie ein Vorstandsmitglied.

Das Vorstandsteam wird allerdings nach Auslaufen der bestehenden Verträge per Ende August 2023 auf zwei Personen verkleinert werden. Wobei das Nominierungsrecht für den Vorstandschef von der Öbag zu América Móvil wechselt - ein wichtiger Punkt im neuen Syndikatsvertrag - und die Öbag dafür den Vorsitzenden im Aufsichtsrat bestimmen darf.

An der Spitze des dreiköpfigen Telekom-Vorstands steht derzeit Thomas Arnoldner als CEO. Alejandro Plater, von den Mexikanern entsandt, leitet das operative Geschäft. Finanzchef ist Siegfried Mayrhofer, er scheidet mit Auslaufen seines Mandats per 31. August aus dem Vorstand aus.