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Terror -ein "neuer Weltkrieg"?

Von Karl Pisa

Politik

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Werden künftige Historiker die Häufung von Terroranschlägen am Beginn des 21. Jahrhunderts als einen "vierten Weltkrieg" bezeichnen, weil ihr Schauplatz nicht nur Israel oder der Irak, sondern Länder von Marokko bis Indonesien und Hauptstädte wie New York, Moskau oder Madrid sind? Von "Welt" zu sprechen, scheint insoferne gerechtfertigt, als sich auch noch die betroffenen Länder betroffen fühlen. Aber um einen mit den zwei Weltkriegen oder dem Kalten Krieg vergleichbaren "Krieg" handelt es sich nicht. Denn dabei handelte es sich stets um Konflikte zwischen zu Bündnissystemen zusammengeschlossenen Staaten, die in der Regel noch an breiten Fronten ausgetragen wurden, wenn sich auch Luftangriffe schon gegen weiche Ziele richteten und Partisanen aus dem Untergrund heraus kämpften. Wenn, dann handelt es sich um eine völlig neue Art des "Krieges", aber auch des Terrors.

Erstens ist der Angreifer kein Staat oder ein Bündnissystem, sondern es sind sich unter verschiedenen Namen bekennende Untergrundorganisationen, deren Anschläge von einzelnen Personen oder kleinen Gruppen ausgeführt werden, die jederzeit an jedem Ort und mit bereits bekannten oder noch denkbaren Mitteln erfolgen können.

Zweitens sind das Ziel der Anschläge zum Unterschied von jenen der Jahre 1878 bis 1978 nicht Monarchen oder Ministerpräsidenten oder andere Repräsentanten des bekämpften politischen oder ökonomischen Systems wie zuletzt noch bei Anschlägen der ETA, sondern unschuldige und wehrlose Menschen.

Drittens zielen diese Anschläge auf ein Maximum an Medienwirksamkeit ab, was man sowohl durch symbolträchtige Ziele wie das World Trade Centre als auch durch eine möglichst hohe Zahl von Opfern zu erreichen versucht, wodurch dann noch Sekundärwirkungen ausgelöst werden sollen. Auch wenn es zu keiner Panik kommt, so können das zur Eskalation beitragende militärische Gegenschläge, in das demokratische Rechtssystem eingreifende Sicherheitsvorkehrungen, ökonomische Auswirkungen oder auch Wahlergebnisse sein, wenn die erste Reaktion zu Vertrauenseinbußen führt.

Selbst bekannte Hintermänner sind nur schwer zu fassen, die Brutstätten nur ganz grob lokalisierbar und die fundamentalistische Motivation ist nicht leicht von einer zu respektierenden religiösen Überzeugung zu trennen. Dieser neuartige "Krieg" gegen die zivilisierte und demokratische Welt erfordert auch eine neue Art der Abwehr. Es gilt gleichsam, die "Stecknadel" in einem "Heuhaufen" zu finden, ohne diesen anzuzünden. Nicht Massenvernichtungswaffen, sondern subtile Methoden der rechtzeitigen Aufdeckung und Unschädlichmachung sind gefragt. Ein weltweites Bündnis gegen den Terror darf nicht ganze Staaten zu Feindstaaten machen, sondern muss überall darnach trachten, die Minderheit der Unmenschlichkeit zu isolieren. Von Krieg sollten dann künftige Historiker nicht schreiben, sondern von einer erfolgreichen globalen Verbrechensbekämpfung.