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Terror, Horror - Gegengift

Von Reinhold Aumaier

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Angesichts der grausigen Bilder aus den letzten Tagen wird der Kopf zum Gedankensprungbrett. Vom TV-Gerät kann man sich lösen, es abschalten - vom Oberstübchen nicht. Das Gehirn hängt und denkt den Ereignissen nach. Um das Gleichgewicht zu halten, ist der Alltag, die rufende Pflicht ein ratsamer Weg. Jeder von uns hat dieselben Bilder x-fach gesehen; doch erst im Aufschnappen von Details kriegt die Gesamtschau einen eigenen Ton. Auszüge aus meiner Sicht: In der "Kulturzeit" auf 3sat wird Alexander Kluge zitiert. Er glaubt an das Ende der Katastrophenfilme. Die gierigen Mäuler der Hollywood-Studios und Müll-TV-Sender grinsen sich eins . . . Wenige Minuten nach dieser Aussage blieb es dem Überflüssig-wie-nur-was-Sender ATV vorbehalten, die sattsam bekannten Bilder mit einer Art Filmmusik zu unterlegen.

Überlegen zeigten sich einmal mehr jene Programme, die auch sonst der Seriosität verpflichtet sind. Es war kein Zufall, dass gewichtige elder statesmen wie Helmut Schmidt oder Richard von Weizsäcker bei der besten aller Gesprächspartnerinnen gefragt waren - bei Sandra Maischberger auf n-tv. Scheinbar am beeindruckendsten auf Trauerschiene: GIGA.DE auf NBC. Da reagiert wohl eher das schlechte Gewissen. Dort sieht man nämlich im Vorbeizappen immer wieder die grauslichsten Videospiele. Es ist alles in der Fiktion schon dagewesen. Zur Verwandlung in die Realität war "nur" noch die wohl schlimmste Geisel der Menschheit vonnöten: der religiöse Wahn. Dazu die Rachegelüste. Und der kleine Herr Bush, der "die Welt jetzt zum Sieg führen" will.

Auswege - wie gehabt und jetzt erst recht: Die Kunst, ein schönes faires Fußballspiel und den Herztönen lauschen - ich deinen, du meinen.