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Testosteronmangel ist keine Frage des Alters

Von Rosemarie Kappler

Wissen
Testosteronmangel hat oft mit Übergewicht zu tun. Foto: bb

Übergewicht und chronische Leiden spielen eine Rolle. | Behandlung hängt von Beschwerden ab. | Homburg. Testosteronmangel ist nicht nur eine Frage des Alters Die Libido lässt nach, die Muskeln werden schlaffer, das Fett anhänglicher, die Haut wird trockener und die Knochen können osteoporotisch gefährdet sein und brüchiger werden. Folgen eines Testosteronmangels beim Mann. Normale Serum-Testosteronspiegel liegen zwischen 3 und 10 ng/ml (Nanogramm/Milliliter). Doch mit den Jahren nimmt die Menge des in den rund 500 Millionen Leydig-Zellen der Hoden gebildeten Sexualhormons langsam ab: Der mittlere Serum-Testosteronspiegel sinkt ab dem 40. Lebensjahr um 1 bis 1,2 Prozent pro Jahr.


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Nun haben Forscher um Harald Jörn Schneider von der Medizinischen Klinik Innenstadt des Klinikums der Universität München gezeigt, dass Testosteronmangel nicht allein eine Frage des Alters ist, sondern der Rückgang des Hormons weitaus mehr mit Übergewicht und chronischen Krankheiten zusammenhängt. Die Stoffwechselexperten (Endokrinologen) fanden dies heraus, als sie die Ergebnisse einer umfassenden Studie zur Häufigkeit von Herzkreislauf-Erkrankungen genauer unter die Lupe nahmen.

Für diese Studie hatten vor fünf Jahren Hausärzte in rund 3200 Praxen mehr als 50.000 Patienten untersucht. Bei rund 2700 Männern war dabei auch das Geschlechtshormon bestimmt worden. Ein Fünftel davon wies einen Testosteronmangel auf. Dieses Resultat überrascht Endokrinologen kaum, denn das Durchschnittsalter der Untersuchten lag bei 58 Jahren, und dass im Alter der Testosteronspiegel sinkt, ist bekannt.

Die "Waist-Height-Ratio" hat Bedeutung

Doch die nähere Analyse der Daten legte den Verdacht nahe, dass weniger das Alter, sondern Übergewicht und chronische Krankheiten die Hormonproduktion drosseln. Schneider: "Insbesondere Übergewicht mit einer ungünstigen Fettverteilung im Körper tritt gemeinsam mit einem niedrigen Testosteronspiegel auf. Die Fettverteilung lässt sich am Verhältnis aus Taille und Körpergröße ermitteln."

Diese "Waist-Height-Ratio" ergibt sich aus dem Umfang der Taille, geteilt durch die Körpergröße. Schneider: "Auch Studien-Teilnehmer mit Metabolischem Syndrom, einer Funktionsstörung der Leber oder entzündlichen Erkrankungen zeigten häufiger niedrige Testosteronspiegel." Das Gleiche gelte auch für Patienten, die sechs oder mehr Medikamente einnahmen. Auch bei Krebspatienten besteht oft ein Hormonmangel.

Daraus nun den Umkehrschluss zu ziehen, Übergewicht und chronische Erkrankungen seien Ursache des Testosteronmangels, ist jedoch unzulässig. Solche Schlüsse könnten aus einer Querschnittsstudie grundsätzlich nicht gezogen werden, betont die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie. Es sei auch denkbar, dass umgekehrt der Testosteronmangel Übergewicht begünstige. Testosteron ist zwar als Medikament verfügbar, ein niedriger Testosteronspiegel beim Mann allein aber noch kein Grund für eine Hormontherapie.

Diese ist laut Experten nur sinnvoll, wenn der Hormonmangel Beschwerden auslöst. Und auch dann müssten die Vorteile mit den Risiken einer langjährigen Hormonbehandlung abgewogen werden. Die Entscheidung zur Behandlung kann deshalb nur im Einzelfall nach genauen Laboruntersuchungen und intensiven Beratungen durch einen Facharzt erfolgen.

Info: www.endokrinologie.net