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Teures Studium auch ohne Gebühr

Von Brigitte Pechar

Wissen
Überfüllte Hörsäle, lange Wartefristen, verlorene Semester: Österreichs Studenten verlieren auch ohne Studiengebühren viel Geld. Foto: Cycamp Marketing Services GmbH/Thomas Unterberger

Ministerin Karl fordert mindestens 350 Millionen pro Jahr mehr für Unis. | SPÖ gegen Studiengebühren. | Wien. Die österreichischen Universitäten bedürfen einer Generalüberholung. 2,2 Milliarden Euro erhalten die Universitäten bis 2012 jährlich im Zuge der Leistungsvereinbarungen vom Bund (ohne Investitionen in die Infrastruktur). Die Rektoren wurden von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl schon vor Monaten darauf vorbereitet, dass es 2013 keine Budgetsteigerung geben wird, was bereits zu Irritationen geführt hat. Jetzt will sie aber doch mehr Geld für die Unis herausholen. | Analyse: Hochschulplanspiele ohne Geldeinsatz oder: Dann sperren wir halt Unis zu


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250 Millionen sollen diese ab 2013 bis 2015 mehr erhalten, wenn es nach Karl geht. Ansonsten müssten Unis geschlossen oder Professoren gekündigt werden.

Der Vorsitzende der Universitätenkonferenz, Hans Sünkel, bezifferte den Mehrbedarf aber mit "zumindest 300 Millionen Euro mehr pro Jahr". Studiengebühren hielte er für ein "nettes Add on".

Der von Karl angemeldete Finanzbedarf übersteigt übrigens bereits jene Einnahmen deutlich, die die Universitäten an den mittlerweile beinahe komplett abgeschafften Studiengebühren lukrieren konnten. Als Kompensation dafür erhalten die Unis 150 Millionen Euro jährlich. Sollte der Finanzbedarf alleine durch Studiengebühren abgedeckt werden, müssten die Gebühren deutlich höher sein als die 363,36 Euro.

Die SPÖ und die Österreichische Hochschülerschaft meldeten bereits Einspruch gegen Studiengebühren an. Mit der SPÖ "werden Studiengebühren auch nicht wieder eingeführt", bekräftigte etwa Klubobmann Josef Cap. Auch Unterrichtsministerin Claudia Schmied lehnt Studiengebühren ab, sie versteht aber Karls Wunsch nach mehr Geld. "Am Ende des Tages werden wir zu der Erkenntnis kommen, dass wir im Bildungsbereich mehr Budgetmittel brauchen", sagte Schmied.

Obwohl in Österreich die Opportunitätskosten der Studierenden - der Verdienstentgang während des Studiums - innerhalb der 30 OECD-Staaten mit 51.000 US-Dollar am höchsten sind, wird im Laufe des Lebens durch einen Studienabschluss wieder aufgeschlossen: Akademiker verdienen zwischen 264.000 Dollar (Frauen) und 381.000 Dollar (Männer) mehr als Maturanten oder Lehrabsolventen.

Koalition arbeitet an Uni-Auswahlverfahren

Die Opportunitätskosten könnten durch effizienteres Studieren gesenkt werden. Dazu bräuchte es bessere Bedingungen, etwa solche, wie sie an Fachhochschulen üblich sind. Dort allerdings müssen sich die Studierwilligen einer Form der Auswahl stellen und auch Studiengebühren bezahlen.

An den Unis gibt es derzeit Aufnahmeverfahren nur in sehr wenigen Studienrichtungen. SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl und ihr ÖVP-Pendant Katharina Cortolezis-Schlager arbeiten aber an einem Konzept dafür. Laut Plan sollte es ab dem Studienjahr 2011/12 für alle Studienrichtungen konkrete Konzepte für eine Studieneingangsphase geben.

Voraussetzung dafür ist laut Cortolezis-Schlager, dass schon ab der zehnten Schulstufe externe Berater mit den Schülern deren Interessen und Kompetenzen überprüfen. "Wir überlassen derzeit alles dem Zufall", kritisiert sie. Vielmehr müssten die Schüler schon über die Möglichkeiten und Anforderungen der verschiedenen Studienrichtungen - auch über ausländische Bildungsangebote und Wege außerhalb der Unis - informiert werden.

Erst in einer zweiten Phase wollen ÖVP und SPÖ die Kapazitätsplanung angehen. Auch die SPÖ hat sich bereits im Vorjahr für ein Studienplatzfinanzierungsmodell ausgesprochen. Der Zeithorizont dafür ist aber völlig offen. Ein überlegenswerter Vorschlag dafür liegt laut Cortolezis bereits auf dem Tisch: Man schafft Open Universities, die ohne Studienplatzbewirtschaftung auskommen, und Unis mit fixer Betreuung. Beide Abschlüsse sollen gleichwertig sein. "Wenn der Koalitionspartner nicht von seiner Forderung nach einem freien Uni-Zugang abgeht, könnte man über dieses Modell sprechen", sagt sie. "Die bestehende Form ist jedenfalls für alle Beteiligten die ungünstigste."