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Thaci will nicht mit Belgrad verhandeln

Von WZ Online

Europaarchiv
Wichtige serbische Siedlungsgebiete im Kosovo

Der kosovarische Premier Hashim Thaci hat heute Mittwoch jegliche Gespräche mit Belgrad über die Polizei, Zoll- und Justizwesen im Kosovo ausgeschlossen. Hintergrund ist der Konflikt um die serbische Volksgruppe im Kosovo.


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"Pristina wird unter keinen Bedingungen und zu keinem Termin mit Belgrad über sechs Punkte verhandeln, die vom UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon vorgeschlagen wurden", wurde Thaci von der Tageszeitung Koha Ditore zitiert. Über diese Bereiche könnten keine Verhandlungen geführt werden, meinte der Ministerpräsident des Kosovo.

Ban hatte Mitte Juni in einem Schreiben an den serbischen Präsidenten Boris Tadic und den kosovarischen Staatschef Fatmir Sejdiu Gespräche über die Lösung von praktischen Problemen in den Bereichen Polizei, Zoll- und Justizwesen, Grenzfragen, Verkehr sowie Schutz vom Kulturgut vorgeschlagen.

Das kosovarische Blatt berichtete am vergangenen Freitag, dass der UNMIK-Chef Lamberto Zannier bemüht sei, der serbischen Volksgruppe im Kosovo eine Lösung von Problemen anzubieten. Sein Angebot soll demnach die Bildung einer "ethnischen serbischen Polizei" vorsehen, die im Rahmen der kosovarischen Polizeikräfte tätig sein, allerdings eine besondere Kommando-Autonomie haben würde.

Hongkong-Modell

Die Probleme hinsichtlich des Zolls sollen Zannier zufolge nach dem "Hongkong-Modell" - "Ein Gebiet zwei Zollsysteme" - gelöst werden. Ähnliche Lösungen soll Zannier auch für das Justizwesen vorgesehen haben.

Ein UNMIK-Sprecher hat unterdessen die Spekulationen Pristinas zurückgewiesen, wonach der UNMIK-Chef Geheimverhandlungen mit Belgrad führe. "Wir machen keine Einigungen hinter dem Rücken. Vom UNMIK-Chef wird die kosovarische Regierung über die Gespräche informiert, welche er, zum Beispiel, mit dem serbischen Kosovo-Minister Goran Bogdanovic führt", präzisierte Alexander Iwanko.

Zannier und Bogdanovic waren vergangene Woche im Kosovo zusammengekommen. Dabei soll es auch um die Lösung von Problemen bei der Polizei, dem Zolldienst und dem Justizwesen gegangen sein.

Der Kosovo hatte im Februar seine Unabhängigkeit ausgerufen. Weder Belgrad noch die serbische Volksgruppe im Kosovo wollen sie anerkennen. Die kosovarischen Serben sind bereit, mit der UNMIK zu kooperieren, allerdings nicht auch mit den Behörden in Pristina. (APA)

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