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Thalasso-Therapie: Fitness aus dem Meer

Von Brigitte Suchan

Wissen

Die positive Wirkung des Meerwassers auf Organismus und Psyche ist schon seit langem bekannt. Die moderne Biologie konnte vor nicht allzu langer Zeit die Ähnlichkeit seiner Zusammensetzung mit der von Blutplasma nachweisen. Das Wort "Thalasso" kommt aus dem Griechischen und bedeutet Meerwasser. Heute verbirgt sich hinter diesem Begriff ein durchdachtes und wissenschaftlich erprobtes Gesundheitskonzept, das sich nicht nur des Meerwassers bedient, sondern vieler Produkte aus dem Meer.


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Die Wirkungsweise des Meerwassers erklärt sich wie folgt: Durch Osmose nimmt der menschliche Organismus bei einer gewissen Wassertemperatur (33 bis 34 Grad) Mineralien und Spurenelemente des Meerwassers auf, versorgt sich mit Sauerstoff, regeneriert und entspannt sich. Die Thalassotherapie wird in Gesundheits- und Wellnesszentren immer häufiger angewendet und bezeichnet alle Verfahren, die mit den natürlichen Inhaltsstoffen des Meerwassers arbeiten. Meersalz, Spurenelemente wie Jod und Selen und Algenpartikel haben sich als sehr effizient bei der Behandlung geschädigter oder gereizter Haut erwiesen.

Die besondere Wirkstoffkonzentration macht das Salzwasser so heilsam. Es enthält eine Vielzahl von Mineralstoffen und Spurenelementen, die auch in den Zellen unseres Körpers wirken. Sie regen die Zellgeneration an, fördern den Abbau von Schlacken und steigern die Durchblutung. Sie unterstützen auch die Abwehrkraft der Haut. Ekzeme und Hautunreinheiten lassen sich sanft behandeln, die Haut wird feinporiger, glatter und geschmeidiger. Die Wirkstoffe sind zudem ein erfolgreiches Kosmetikum, um gesunde Haut vital und schön zu erhalten.

Ein Meerwasserbad wirkt aber nicht nur auf die äußere Hülle positiv, sondern nützt dem ganzen Körper. Es gibt spezielle Algen- und Meerwasser-Schlammpackungen, die bei Venenproblemen, Menstruationsbeschwerden, Stress und Muskelverspannungen Linderung bringen und insgesamt dem Stoffwechsel auf die Sprünge helfen. Auch dem Immunsystem leisten die Meeresstoffe gute Dienste.

Schon im 17. Jhdt. sprach man den Meerbädern z.B. ausgezeichnete Ergebnisse bei der Behandlung von Geisteskranken zu. Ein Umstand, dem die heutige "Grande Plage" in Biarritz ihren Namen "Küste der Verrückten" verdankte. Seebäder und Meerwasserkuren waren dann im 19. Jhdt. vor allem bei Mitgliedern der Aristokratie und des Geldadels sehr beliebt. Den Begriff "Thalassotherapie" hat übrigens der aus Arcachon in Aquitanien stammende Arzt De la Bonnadiere im Jahre 1867 geprägt.

Die Atlantikküste Aquitaniens gilt auch heute noch als das Zentrum der Thalassotherapie in Frankreich. An der baskischen Küste zwischen Biarritz und der spanischen Grenze gibt es fünf Thalassozentren, die in gepflegtem Ambiente das Vergnügen des Wellness-Aufenthaltes mit dem des Urlaubs am Meer auf ideale Art und Weise verbinden.

Zugegeben, die baskische Küste liegt nicht gerade vor der Haustüre. Die Anreise mit dem Flugzeug von Wien nach Biarritz via Paris oder Nizza ist da wohl noch die schnellste Variante. Doch die lange Reise lohnt sich - für meine Begriffe - in jedem Fall.

Frankreich hat als Reiseland einiges zu bieten. Gerade die baskische Küste bietet vom mondänen Biarritz bis zum pittoresken Fischerhafen St-Jean-de-Luz (baskisch: donibane lohitzune) und dem Grenzort Hendaye nicht nur unvergleichliche und nahezu unberührte Strand- und Küstenlandschaften sondern auch von der baskischen Tradition geprägte Lebenskultur, die den Aufenthalt - um einen vielstrapazierten Begriff zu verwenden - zum unvergesslichen Erlebnis werden lassen.

Meinereins hat die Thalassotherapie in der Kuranstalt Helianthal in Saint-Jean-de-Luz genossen, der ein gutsituiertes Hotel der gehobenen Drei-Sterne-Kategorie angeschlossen ist. Die Techniken und Anwendungen der Thalassotherapie sind vielseitig: Auf Körpertemperatur erwärmte Meerwasser-Sprudelbäder, warme Schlick- und Algenpackungen, Unterwassermassagen, belebende Druckstrahlmassagen und Wassergymnastik gehören zum Repertoire. Im Helianthal bemühen sich Ärzte und Fachpersonal um das Wohlbefinden der Gäste, zwischen den Behandlungen bietet ein Ruheraum mit herrlichem Blick auf den Ozean Entspannung.

Kuranstalt ist vielleicht nicht das richtige Wort für das, was man hier geboten bekommt. Das gepflegte Ambiente lässt Assoziationen an oft lieblose und zweckorientierte Einrichtungen, die man unter dem Begriff der Kuranstalt gelegentlich auch findet, erst gar nicht zu. Das besondere am Thalassotherapiezentrum in Saint-Jean-de-Luz aber ist zweifellos seine Lage: Mitten im Ortszentrum und dennoch direkt am Meer. Das Schwimmbad schließt nahtlos an den sauberen, feinkörnigen Sandstrand an, was den raschen und für Wasserratten beglückenden Wechsel zwischen im Pool eingefangenem und freiwogendem Meerwasser erlaubt.

Gewöhnungsbedürftig ist freilich der Geruch, der von den Algen- und Schlickpackungen ausgeht. Ein leichter Fischgeruch bleibt selbst nach sorgfältiger Reinigung an einem haften. Aber damit verhält es sich wohl wie mit dem Knoblauch: Wenn ihn alle essen, fällt der Geruch nicht mehr auf.

Im Idealfall sollte man sich einen einwöchigen Wellness-Aufenthalt gönnen, wobei die Zentren an der aquitanischen Atlantikküste auch Wochenend-Arrangements anbieten. Die beste Zeit dafür sind Vor- und Nachsaison, vor allem aber der September. Die Anwendungen sind jeweils auf einen halben Tag verteilt, sodass genügend Zeit für Freizeitaktivitäten bleibt. Die baskische Küste kann übrigens gleich mit sechs landschaftlich reizvollen Golfanlagen aufwarten. Dass Surfer und Segler an der baskischen Küste ebenfalls auf ihre Rechnung kommen, ist beinahe überflüssig zu erwähnen.

Die positiven Wirkungen des Meerwassers kann man schließlich auch in die eigene Badewanne holen. Dazu braucht man Meerwasser-Badesalze, Algenzusätze und Mineralstoffe, die in Reformhäusern, Drogerien und Apotheken erhältlich sind. Vom Meer träumen lässt sich dabei allemal.

Informationen über die Thalassozentren in Aquitanien: Maison de la France, 1040 Wien, Argentinierstr. 41A, Tel: 503 28 92