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Theater im Turm von Babylon

Von Petra Paterno

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Die Favoritin für die Schottenberg-Nachfolge hat das Rennen gemacht. Mit Anna Badora kommt eine überaus erfahrene Intendantin ans Wiener Volkstheater - seit den 1990er Jahren wirkt sie an diversen Bühnen als künstlerische Leiterin. Im Grazer Schauspielhaus, ihrer derzeitigen Wirkungsstätte, hat sie es verstanden, mit vergleichsweise geringem Etat einiges zu bewegen. Ihre Arbeit wurde überregional wahrgenommen, sogar eine Einladung zum renommierten Berliner Theatertreffen ist ihr geglückt, dabei lagen die Auslastungszahlen stets im Spitzenfeld. Ihr Erfolgsgeheimnis?

Vielleicht liegt es in einem entschiedenen Bekenntnis zur interkulturellen Zusammenarbeit.

In Graz hat die Intendantin etwa Theatermacher aus Ungarn, Israel und Polen engagiert. In der Kantine hätte manchmal ein Sprachengewirr wie im Turm von Babylon geherrscht. Die kulturellen Unterschiede seien jedoch, so Badora, bereichernd für den künstlerischen Prozess gewesen. Das will sie nun auch in Wien versuchen. Im Haus am Weghuberpark sollen ab September 2015 verstärkt Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten zusammenarbeiten.

Ob das genügen wird?

Das Volkstheater ist ein schwieriges Haus. Es hat beinahe die Größe des Burgtheaters und muss mit etwa einem Viertel der Finanzmittel auskommen. Nichtsdestotrotz zeigte sich Badora bei der Pressekonferenz optimistisch und enthusiastisch. Emmy Werners Volkstheater-Direktion endete 2005 - zehn Jahre später wird mit Anna Badora erstmals wieder eine Frau an der Spitze einer Wiener Großbühne stehen. Gratulation!