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Kabul - Naqibullah Ghamsadas Leidenschaft für das Theater war so groß, dass ihn das Abhacken seiner Hand oder sogar die Drohung mit der Todesstrafe durch das brutale Taliban-Regime wenig schreckte. Nachdem die radikalislamischen Taliban 1996 die Macht ergriffen und Musik, Theater und Fernsehen als Beleidigung des Islam verboten hatten, verlegte Ghamsada, ein bekannter Theaterregisseur und Schauspieler, seine Aktivitäten einfach nach Hause. Mehr als vier Jahre lang führten er und seine Frau, die auch Bühnenschauspielerin ist, Stücke allein im Wohnzimmer ihres Hauses in Kabul auf, wobei sie die vier Kinder als Statisten einsetzten.
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"Die Taliban waren mir immer auf den Fersen, um mich ins Gefängnis zu stecken", sagt der 44-Jährige jetzt. "Sie hielten uns für Kommunisten." Vier Mal landete er tatsächlich für kurze Zeit im Knast wegen Verletzung der repressiven Moralgesetze des Regimes. Hunderte andere hatten nicht so viel Glück und verloren ihr Leben bei dem einzigen öffentlichen "Vergnügen", das die Taliban erlaubten: bei den wöchentlichen Exekutionen im Fußballstadion von Kabul.
Während Tausende vor den Luftangriffen der USA auf Kabul flohen, blieben Ghamsada und seine Familie in der Hauptstadt und feierten. "Als wir die amerikanischen Kampfflugzeuge sahen, wussten wir, dass wir frei sein würden", sagt seine Frau Karima, die seit 25 Jahren auf der Bühne steht. Sie wird nicht mehr im Wohnzimmer auftreten müssen. Die Familie führte in der Nacht auf Dienstag Regie und spielte selbst in einem kurzen Stück im "Kabul Theater" bei der ersten Aufführung überhaupt seit fast zehn Jahren in dem ausgebombten Gebäude.
Das Haus, das einstmals einen guten Ruf hatte, ist heute wenig mehr als ein Trümmerhaufen, ohne Dach, Elektrizität oder Bühnenvorhang. Das hielt jedoch rund 200 Menschen nicht davon ab, frostigen Temperaturen trotzend, die erste professionelle Live-Kunstdarbietung seit 1996 in Kabul zu sehen.
Das kurze Stück handelte von den Brutalitäten der Taliban beim erzwungenen Rückzug aus dem Schomali-Tal 1999, wo sie Brunnen und Bewässerungsanlagen sprengten, um die Bauern von der baldigen Rückkehr abzuschrecken. Unter dem Beifall des Publikums rufen die Bauern: "Wir werden alles wieder aufbauen." Kulissen waren für das Stück nicht nötig - die Ruinen des Theaters passten bestens zur Aufführung. Nach dem Theaterstück brachten Musiker und Sänger traditionelle Musik, bei der mancher aus dem Publikum spontan mittanzte und andere Münzen auf die Bühne warfen. Das Wiedererstehen des einst populären Theaterlebens in Afghanistan ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den enormen Wiederaufbau-Bemühungen eines kriegszerstörten Landes, das Milliarden von Dollar ausländischer Hilfe braucht.
Der Sänger Aziz Grasnavez, der im Auftrag der Übergangsregierung die Abteilung für Fernsehen und Rundfunk leitet, ließ die Theateraufführung aufnehmen, um sie im Fernsehen zu zeigen. Er sagt: "Wir sind froh, wieder frei zu sein und die traditionelle Musik und Dramen wieder vorführen zu können, vor allem für die Jugend, die dies bisher niemals erleben konnte."
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