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Vor allem Kaninchen, Mäuse, Ratten betroffen. | Alternativen teilweise preiswerter und schneller. | Wien. Die neuesten Zahlen zum Thema Tierversuche in Österreich dürften heimische Tierschützer alarmieren: Die heute, Dienstag, veröffentlichte Tierversuchsstatistik für 2006 verzeichnet die Zunahme an Versuchstieren um 13,6 Prozent gegenüber 2005. In Zahlen heißt das: Im Vorjahr wurden 190.121 Tiere (2005: 167.312) in Experimenten "verbraucht", wie es im Fachjargon heißt.
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Den Hauptanteil stellen dabei Mäuse und Ratten sowie Kaninchen, die in Forschung, Entwicklung und Qualitätskontrollen für medizinische Zwecke verwendet wurden. Einen Gutteil machen auch Grundlagenforschung und Unbedenklichkeitstests aus.
Der für die Statistik zuständige Sektionschef Wolf Frühauf vom Wissenschaftsministerium erklärt den Anstieg mit der Intensivierung der biomedizinischen Forschung, um etwa Aids und Krebserkrankungen zu bekämpfen. Helmut Appl vom Zentrum für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen (ZET) in Linz sieht es kritischer: "Das Problem ist, dass die Grundlagenforschung wieder anzieht. Vor allem transgene Tiere sind derzeit eine Spielwiese der Wissenschaft."
Über Tierversuche mag man denken, wie man will - sie machen betroffen. Kaum jemanden lässt die Vorstellung kalt, dass tausende Tiere in Labors qualvoll leiden - darunter auch Hunde, Katzen und Affen. Zwar ist Tierversuch nicht gleich Tierversuch. Im Paragraph zwei des Tierversuchsgesetz ist aber eindeutig festgehalten, dass es sich hierbei um für das Tier belastende und mit Schmerzen oder dauerhaften Schäden verbundene Eingriffe handelt.
Ein "notwendiges Übel"?
Einerseits weiß man aus Umfragen, dass die Mehrheit der Bevölkerung Tierversuche nicht befürwortet, sie aber als notwendiges Übel zum Zwecke der eigenen Gesundheit ansieht. Andererseits liefert die Wissenschaft Beweise dafür, dass zumindest manche Experimente überflüssig sind und im Vergleich zu Alternativmethoden wesentlich teurer kommen. Wie EU-Forschungskommissar Janez Potocnik schon im vergangenen Jahr vorrechnete, könnten Alternativ-Tests in der kommenden Dekade mindestens 800 Millionen Euro einsparen helfen.
Tierversuchs-Kritiker Appl ortet deshalb auch ein globales Interesse der Industrie, Alternativen zu Tierversuchen zu finden: "Tierhaltung und -versorgung kosten Geld. Zellkulturen und Computermodelle brauchen keine Tierpfleger und nicht täglich Futter."
Neben der Organisation eines beinahe jährlich stattfindenden und international angesehenen Kongresses befasst sich das ZET hauptsächlich mit der Verbesserung von Zellkulturmethoden und Tests an bebrüteten Hühnereiern. Letztere sind mittlerweile zumindest teilweise als Alternative zum "Draize-Kaninchen-Augenreiztest" anerkannt. Dieser wurde und wird eingesetzt, um schädigende Wirkung von Substanzen auf Augen festzustellen. Jedes Waschmittel, Shampoo, jede einzelne Substanz muss nach internationalen Richtlinien auf Unbedenklichkeit getestet werden, bevor das Produkt auf den Markt kommt.
Millionen von Kaninchen wurden so schon bei vollem Bewusstsein Lösungen ins Auge geträufelt. Die Tiere eignen sich dafür besonders gut, weil sie praktisch keine Tränenflüssigkeit produzieren und so die reizenden Substanzen nicht verdünnen können. "Mit den Hühnerei-Tests konnten weltweit etwa 90 Prozent dieser schmerzvollen Versuche an Kaninchenaugen reduziert werden", berichtet Appl.
Damit werde nicht nur sehr vielen Tieren qualvolles Leid erspart, auch Ergebnisse gebe es rascher. Während Kaninchen über Stunden beobachtet werden müssen, liefern Hühnerei-Tests teilweise binnen Minuten Resultate.
Bürokratie als Barriere
Einen weiteren gravierenden Nachteil haben Tierversuche gegenüber Alternativmethoden: "Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen ist ein großes Problem. Oft ist es schon schwierig, von Maus auf Hund abzuleiten", so Appl. Warum Alternativ-Methoden trotz allem noch in den Kinderschuhen stecken, liege vor allem an internationalen Vorschriften, die in "bürokratischen Sackgassen" endeten und an den strengen Auflagen: "Während Alternativ-Tests mehrfach geprüft und reproduzierbar sein müssen, wurde noch kein einziger Tierversuch auf Wiederholbarkeit getestet", sagt Appl. Das ginge auch nicht, schließlich handle es sich um lebende Organismen.
Kritik kommt vom ZET auch hinsichtlich des österreichischen Systems: Tierversuche fallen in zu viele Zuständigkeitsbereiche. Für Einrichtungen des Bundes sind vier verschiedene Ministerien zuständig. Von der Industrie beantragte Tierversuche fallen in Länder-Kompetenz. Da Österreich keine zentrale Datenbank hat, könnte theoretisch ein Versuch in Salzburg genehmigt werden, der schon in Wien durchgeführt wurde - obwohl Doppelversuche grundsätzlich verboten sind. Appl: "Wir haben hier einen Paragraphen, der einfach nicht exekutierbar ist."

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