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Tirol in neuen Händen: Günther Platter muss Dinkhauser wieder einfangen

Von Von Walter Hämmerle

Analysen

Günther Platter ist mit 54 Jahren am Ziel seiner politischen Lebensplanung angekommen: Heute, Dienstag, wird der ehemalige Verteidigungs- und Innenminister vom Tiroler Landtag als neuer Landeshauptmann gewählt. | Wirtschaftlich übernimmt Platter ein erfolgreich gemanagtes Bundesland. Herwig van Staa stolperte nicht über seine Leistungsbilanz, sondern über Stilfragen - und das vage, aber weit verbreitete Gefühl, die Landespolitik befinde sich in Geiselhaft der mächtigen Bauernlobby.


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Tatsächlich ist Platter der erste Tiroler Landeshauptmann, der nicht dem Bauernbund, sondern dem Arbeitnehmerflügel ÖAAB angehört, der sogar als dessen Landesobmann fungiert. Diesen Chefsessel will Platter jedoch räumen, schließlich gilt es jetzt, in die Rolle des Landesvaters für alle Tiroler hineinzuwachsen.

Über den ÖAAB ist Platter jedoch mit Fritz Dinkhauser eng verbunden. Der ehemalige AK-Präsident räumte bei der Wahl mit einer eigenen Liste 18 Prozent der Stimmen ab und überholte sogar aus dem Stand Platters Koalitionspartner SPÖ.

Der Politologe Ferdinand Karlhofer von der Universität Innsbruck ist überzeugt, dass Platter in den kommenden Jahren über die ÖAAB-Schiene versuchen wird, Dinkhauser wieder an die Partei heranzuführen - beispielsweise über gemeinsame politische Projekte. Für die ÖVP ist die Re-Integration der Rebellen eine Überlebensfrage. Dinkhauser hat sein schwarzes Parteibuch nie zurückgegeben. Vorerst jedoch rechnet Karlhofer mit einer Rollenverteilung zwischen ÖVP und Dinkhauser nach dem Muster Regierung - Opposition.

Noch ist nicht geklärt, wie sich die Liste Dinkhauser im Landtag etablieren wird, zumal bereits erste Dissonanzen zwischen den beiden Alphatieren - Dinkhauser und Transit-Gegner Fritz Gurgiser - öffentlich ausgetragen wurden. Es wäre nicht die erste Protestwählerinitiative, die rasch wieder auseinanderbricht.

Ein Urteil über Platters neues Team fällt noch schwer. Die einzige Polit-Größe ist Bauernbund-Chef und Agrar-Landesrat Anton Steixner. Öffentlich bekannt sind darüber hinaus Bernhard Tilg, Rektor der Tiroler Privat-Uni Umit, der die Ressorts Gesundheit und Wissenschaft übernehmen soll, sowie Patrizia Zoller-Frischauf, die neue Wirtschafts-Landesrätin werden soll.

Damit ist für die bisherigen Landesrätinnen Anna Hosp und Elisabeth Zanon kein Platz mehr. Bei Zanon überrascht das wenig, ihr Griff nach der Macht noch am Wahlabend hat ihr politisches Ende im Land vorzeitig herbeigeführt. Sie wird sich wohl künftig in Wien nach Optionen umschauen.

Keine Probleme sollte Platter mit Altbauer van Staa bekommen: Dieser ist lediglich noch auf Zeit Tiroler ÖVP-Chef. Er hat bereits versprochen, dem neuen nicht hineinregieren zu wollen. Wenn ihm da nur nicht sein aufbrausendes Naturell einen Streich spielt.

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