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Todkranker Jukos-Manager muss in U-Haft bleiben

Von Ines Scholz

Europaarchiv

Alexanjan weigerte sich, Chodorkowski zu belasten. | Moskau/Wien. Auch der Hungerstreik von Michail Chodorkowski half nichts: Ein Moskauer Gericht lehnte am Freitag die Verlegung seines todkranken Freundes Wassili Alexanjan aus dem Moskauer Untersuchungsgefängnis "Matrosenruhe" in ein Spital ab. Dem Gericht lägen keine Anhaltspunkte vor, "dass der Gesundheitszustand eine Verlegung nötig macht", erklärte die Richterin mit eisiger Miene, während Alexanjan, bleich und völlig abgemagert, in dem Gerichtssaal fast zusammenbrach.


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Der vor knapp eineinhalb Jahren verhaftete Vizepräsident des mittlerweile zerschlagenen Ölkonzerns Jukos leidet an der Immunschwächekrankheit Aids. Die Diagnose wurde im Dezember 2006 festgestellt. Mittlerweile ist der 35-Jährige fast erblindet, leidet an Tuberkulose und hat neben einem Nierentumor auch Lymphdrüsenkrebs.

Seine Anwälte schlugen kürzlich Alarm. "Er ist in solch einem schlechten Zustand, dass er jederzeit sterben kann", meinte die Rechtsvertreterin Jelena Lwowa.

Unmoralisches Angebot

Generalstaatsanwalt Juri Tschaika ließ das kalt. Vorige Woche wurde die U-Haft für Alexanjan bis 2. März verlängert. Auch eine medizinische Behandlung in dem berüchtigten Untersuchungsgefängnis "Matrosenruhe" wurde ihm verweigert. Die vom Kreml gelenkte Justiz verlangt als Deal für eine Haftentlassung, dass er Anschuldigungen gegen Chodorkowski bestätigt. Taten, die dieser nicht begangen hat. Das Geständnis will die Justiz als Grundlage für eine neue Anklage gegen den einstigen Jukos-Chef verwenden. Alexanjan hatte sich jedoch geweigert, seinen Freund zu belasten.

Chodorkowski sitzt aufgrund eines politisch motivierten Prozesses derzeit eine achtjährige Haftstrafe ab. Auch er wurde in der Haft erpresst: Entweder beschuldige er sich selbst und andere oder Alexanjan werde die notwendige Hilfe vorenthalten, meinte Chodorkoswki in der Begründung für seinen Hungerstreik. Sein ebenfalls unter Druck gesetzter Ex-Kompagnon, Platon Lebedew, will nun ein falsches Geständnis ablegen, um Alexanjan das Leben zu retten.