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Integrationserfahrungen machen schon Kinder, etwa beim Schulwechsel, wenn sie sich in einer neuen Klassengemeinschaft integrieren müssen. Manchmal ist der Schulwechsel mit einem Ortswechsel verbunden, was die Sache schwieriger, aber auch spannender machen kann. In der Erzählung "Die Neuen aus Tirol" von Christoph Mauz beginnen sich Wiener Schüler im Tiroler Dialekt zu üben, als sie erfahren, dass zwei Geschwister aus Innsbruck in ihre Klasse kommen werden. Als die beiden eintreffen, ist die Klasse fast enttäuscht: Kilian trägt keine Lederhose und Annemarie kein Dirndlkleid, geschuhplattlt wird auch nicht, und gejodelt ebenso wenig. Doch der Neustart gelingt.
Es ist eine der Geschichten, die von den beiden Herausgeberinnen Heidi Lexe und Elisabeth Wildberger im Jugendbuch "Wir alle Anderen. Geschichten vom Miteinander" zusammengetragen worden sind. In "Amiga heißt Freundin" von Guus Kujer bringen Polleke und Caro ihrer Freundin Consuelo, die aus Mexiko geflohen ist, mit Hilfe eines Wörterbuchs Niederländisch bei und lernen selber dabei etwas Spanisch. So kann es eben funktionieren: Wenn sich die Gemeinschaft auf jemand "Neuen" einlässt - und umgekehrt. Doch oft läuft es schief, und das erleben ebenfalls etliche Schulkinder: wenn sie zum Außenseiter werden, den alle hänseln, dem keiner hilft, weil er nicht selbst Außenseiter sein will.
So fragt sich Nora in der Geschichte "Ich hätte Nein sagen können", warum sie ihrer Freundin Karin nicht geholfen hat, als diese - die von allen gemobbte, untalentierte Fußballspielerin - mit Wasser bespritzt wird. "Ich bin klein, aber stark, und ich hab keine Angst vor Größeren. Aber gegen das, was mir jetzt widerfuhr, war ich fast genauso ohnmächtig wie Karin."
Zivilcourage in der Schule
Zivilcourage kann man schon früh üben. Die Welt von Kindern ist bereits Schauplatz jener Ein- und Ausgrenzungsmechanismen, die später die Erwachsenenwelt, und mit ihr Gesellschaften, Staaten und die Politik prägen. Und Gesetze und Politik können auch das Leben von Kindern prägen, etwa wenn es Flüchtlinge sind.
Der junge Esad, dessen Familie um Asyl angesucht hat, sieht nicht mehr ein, warum er in die Schule gehen soll, nachdem sein Freund Ismail samt Familie plötzlich zurückgeschickt wird. "Wer war der Beste in unserer Klasse? Ismail! Wer hat öfter die Fenster geputzt als alle anderen Frauen im Haus? Seine Mutter. Sein Vater, seine Schwester, eine Familie aus dem Bilderbuch, fleißig, sauber, hilfsbereit, brav, musterhaft. Und was haben sie davon? Handschellen und ab!" Ein Buch, das Erwachsene wie Jugendliche nachdenklich macht.
Wir alle Anderen
Heidi Lexe, Elisabeth Wildberger (Hg.)
Buchklub Gorilla Band 36

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