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Der "Daily Mail" erhält neuen Chefredakteur.
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Läuft alles wie geplant, wird Geordie Greig schon bald einer der einflussreichsten Menschen Großbritanniens sein. Der 57-Jährige soll per November den Posten als Chefredakteur der rechtsorientierten Boulevardzeitung "Daily Mail" übernehmen. Das wiederum könnte nicht nur die britische Medienlandschaft, sondern auch die Politik des Landes ändern. 23,5 Millionen Leser hat der "Daily Mail" dem "National Readership Survey" zufolge insgesamt - die Hälfte davon in Print. Bei einer Bevölkerung von 65,6 Millionen bedeutet das, dass mehr als jeder dritte Brite, beziehungsweise fast jeder zweite Brite, den "Daily Mail" liest. Das macht ihn zur meistgelesenen Zeitung der Insel. Als solche hat man naturgemäß ein besonderes Gewicht in der öffentlichen Meinung und einen ordentlichen Anteil am Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. Denn der "Daily Mail" war und ist das Kampfblatt des Brexits. Mit Greig sollte sich der harte Kurs der Zeitung jedoch schon bald ändern. Denn unter Insidern der englischen Medienlandschaft heißt es, dass Greig unter anderem den Auftrag erhalten habe, in Sachen harter Austritt auf die Bremse zu treten und einen gemäßigten Kurs einzuschlagen. Die Vermutung ist durchaus kohärent. Denn Greig hat bisher dem Schwesterblatt "The Mail on Sunday" vorgestanden. Und während der "Mail" unter der Woche für den Brexit wetterte, befürwortete er am Sonntag den Verbleib bei der EU. Vor dem Referendum erschien sogar ein Leitartikel, in "The Mail on Sunday" dazu aufrief, für einen Verbleib in der EU zu stimmen. Darin war von "nebulösen Versprechen" die Rede und dem "Verkauf gefährlicher Illusionen", die "das blinde Vertrauen für den Sprung ins Ungewisse nicht wert sind". Hinzu kommt, dass Greig als Notting-Hill-Konservativer gilt. Prominentester Exponent dieser nach einem Londoner Stadtteil benannten Strömung ist Ex-Premier David Cameron. Sie gelten als wirtschaftskonservativ während ihnen gleichzeitig eine sozialliberale Einstellung und ein Herz für den Umweltschutz zugerechnet wird. Journalisten - zumal des Boulevards - haftet ja oft ein profaner Ruf an. Doch Greig - der übrigens tatsächlich in Notting Hill wohnt - könnte gediegener nicht sein. Schule in Eton, Studium in Oxford, verwarf er die Möglichkeit einer vielversprechenden Bankkarriere, um Reporter beim Lokalblatt "South East London and Kentish Mercury" zu werden. Später wechselte er zur "Sunday Times" wo er Kulturjournalist, Amerika-Korrespondent und Chef des Literatur-Ressorts war. 2009 wurde er Verlagsleiter des "Evening Standard" und 2010 des "Independent". Zwei Jahre später kam dazu noch der Job als Chefredakteur des "Mail on Sunday". Sollte Greig nun mit dem "Daily Mail" tatsächlich einen gemäßigten Brexit-Kurs einschlagen, dann könnte das auch die Politik selbst beeinflussen. Nur zu oft hat das Boulevard-Blatt für Erschütterungen in Downing Street 10 gesorgt und Premierministerin Theresa May zu einer harten Linie gedrängt. Fällt das weg, könnte May - die mit den Hardlinern ihrer Partei zu kämpfen hat - freier agieren. Oder - wie der noch amtierende "Mail"-Chefredakteur, Paul Dacre, warnt - die Zeitung Leser verlieren.

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