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Tories haben Vorsprung verspielt - allgemeine Verunsicherung hilft Brown

Von Michael Schmölzer

Analysen

Was passiert eigentlich, wenn Labour unter Premier Gordon Brown die Wahl gewinnt? Noch vor einigen Monaten hätte sich diese Frage erübrigt, zu eindeutig lagen die konservativen Tories unter David Cameron in den Umfragen voran. Aber die Situation hat sich geändert. Waren es einst stolze zwanzig Prozentpunkte, die die beiden großen britischen Parteien trennten, sind es jetzt nur noch vier bis elf - je nach politischer Färbung des Umfrageinstituts. Cameron, dem die Sympathien einst entgegenflogen, spüre schon den "kalten Atem Browns" im Genick, titeln britische Medien plastisch.


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Angesichts des prognostizierten knappen Wahlausgangs ist bereits von einer Koalitionsregierung die Rede. Unerhört in einem Land, wo dies als Unglück gilt und per Mehrheitswahlrecht vermieden werden soll. Zwar böten sich die Liberaldemokraten oder Regionalparteien dem Sieger als Partner an. Dennoch ist ein Tandem an der Regierungsspitze für die Briten so schwer vorstellbar, dass schon von einer zweiten Wahl die Rede ist, die dann eine klare Entscheidung bringen müsse.

Ein Resultat ohne Regierungsmehrheit für eine einzige Partei gilt auch an den Finanzmärkten als Alptraum-Szenario. Sie hoffen auf klare Verhältnisse und auf ein Versprechen der neuen Regierung, entschlossen gegen das Haushaltsdefizit von derzeit fast zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts vorzugehen.

Bleibt die Frage, wie es die Tories fertig gebracht haben, ihren vormals so komfortablen Vorsprung zu verspielen. Immerhin ist Gordon Brown unbeliebter denn je: Zuletzt war in allen Zeitungen zu lesen, dass der stets ein wenig verkniffen wirkende Premier ein Choleriker sei und zu unkontrollierten Wutausbrüchen und Handgreiflichkeiten neige.

Allerdings, und darauf weisen Politologen immer wieder hin, sind die Briten durchaus in der Lage, einen Politiker zu wählen, den sie im Grunde nicht mögen. Vor allem, wenn der Betreffende mit Inhalten und Kompetenz aufwarten kann. Die Tories haben zuletzt zu sehr auf die Fehler des Gegners - etwa den Spesenskandal - vertraut und zu wenig versucht, mit Inhalten zu glänzen. Beispielsweise lassen die geplanten Maßnahmen der Konservativen zur Bekämpfung des Haushaltsdefizits die Wähler verunsichert zurück. Die Tories werben zwar in Anlehnung an Barack Obama mit "Vote for change" - wie dieser Wechsel aussehen soll, ist für viele aber nicht recht ersichtlich.

Und so ist es die beängstigende Finanzkrise, die entscheidend für Brown sein könnte. Immerhin halten die Briten ihn und sein Team in dieser Frage für erfahren und entschlussfreudig.

Siehe auch:London: Brown eröffnet Wahlkampf