Zum Hauptinhalt springen

Totalverriss eines Trauerspiels

Von Christina Böck

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 11 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Beim x-ten "Der Rechnungshof kritisierte" hört man zu zählen auf. Es sind alles Kritikpunkte, die berechtigt oder gar empörend sind. Gustostückerl sind wohl jener Wirtschaftsprüfer, der für ein beachtliches Honorar nur mündliche Berichte lieferte, und die Prämien für Georg Springer, die er für Leistungen erhielt, die mit seinem Geschäftsführergehalt abgedeckt gewesen wären.

Dieser Rechnungshofbericht nimmt aber auch die Politik in die Verantwortung, und das ist wohl an der Zeit. Wenn auch ein politisches Element nur am Rande und ohne Lösungsvorschlag erwähnt wird. Und das ist die nicht wertgesicherte Basisabgeltung des Bundes, die nicht wenige als das Grundübel dieses Debakels ansehen. Die RH-Auflistung der finanziellen Entwicklung der Bundestheater im beobachteten Zeitraum ist aufschlussreich: Die Gesamterträge stiegen in dieser Zeit um 6 Millionen Euro. Kartenerlöse stiegen, deckten aber lediglich 19,2 Prozent der Aufwendungen. Die Basisabgeltung sank damals von rund 145 Millionen auf 144 Millionen. Die Aufwendungen, vor allem beim Personal, stiegen, die Subventionen sanken. Das Eigenkapital verringerte sich um 12 Millionen, weil auf Reserven zugegriffen werden musste. Die Direktoren wiesen immer wieder darauf hin, dass mit einmaligen, spontanen Finanzspritzen, wie die Staatsoper eine erhalten hatte, nur schwer langfristig zu planen sei.

Das alles soll nicht entschuldigen, dass hier offenbar auf allen Seiten, freundlich gesagt, desaströs gearbeitet wurde. Aber dass so ein Verhalten in einer solchen Situation noch prekärer ist als sonst, ist augenscheinlich.