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Toter Kardinal König wird in Asylstreit hineingezogen

Von Christian Mayr

Politik
König-Wohnheim bleibt völlig unverändert. Foto: BMI

Heftiger Disput um Flüchtlingssiedlung Macondo in Wien. | Kardinal-König-Wohnheim bleibt definitiv bestehen. | Wien. Rund um die seit den 1950er-Jahren bestehende Flüchtlingssiedlung Macondo in Wien-Simmering tobt seit Wochen ein heftiger Streit: Caritas, Sozialarbeiter und die Kardinal-König-Stiftung kritisieren das Innenministerium, weil dieses angeblich das nach dem 2004 verstorbenen Kardinal benannte Integrationshaus mit Ende September geschlossen hat. Und just aus diesem Haus wolle das Ministerium eine Art Abschiebezentrum machen, lautete die via Massenmedien verbreitete Botschaft.


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Allein, das 1998 eröffnete "Kardinal DDr. Franz König Wohnheim" wurde weder geschlossen noch soll es anders genutzt werden. Recherchen der "Wiener Zeitung" ergeben nämlich, dass lediglich das viel kleinere Nachbargebäude in Besitz der Buwog, das als "Gelbes Haus" firmiert, neu genutzt werden soll. Dieses trägt zwar den Namen "Integrationshaus", ist aber nicht offiziell nach dem berühmten Wiener Kardinal benannt. Kritiker sprechen daher hinter vorgehaltener Hand davon, dass der tote Kardinal in eine politische Auseinandersetzung hineingezogen und sein Name just von der Caritas missbraucht werde.

Erbaut wurde das an den Integrationsfonds im Innenministerium vermietete Gebäude mit 132Wohneinheiten von der Wohnbauvereinigung der Gewerkschaft der Privatangestellten. Dort bestätigt man, dass es sich wohl um eine Verwechslung handeln müsse. "Für unser Kardinal-König-Wohnhaus gibt es keine neue Nutzung." Das betroffene Nebengebäude (wo rund 50 Personen wohnten) sei nicht das König-Haus.

Die Caritas will auf den Vorwurf, den Namen Königs im Streit zu missbrauchen, übrigens nicht eingehen.

Betreuung ausgedünnt

Abgesehen davon bleibt allerdings die Kritik, dass in Macondo, wo bisher insgesamt 3000 Flüchtlinge aus mehr als 20 Nationen mit positivem Asylbescheid gelebt haben, künftig auch jene untergebracht werden, die kurz vor der Abschiebung stehen. Die Caritas warnt vor ethnischen Konflikten, auch weil die ständige Betreuung einer mobilen weichen soll. Laut Innenministerium sei eine endgültige Entscheidung über die Nachnutzung aber noch nicht gefallen.