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Tradition und Moderne verknüpft mit Fairness

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

Was ist schon fair. Ein Teppichknüpfer in Deutschland würde, bekäme er den Lohn eines nepalesischen Knüpfers, diesen mit Sicherheit unfair finden. 15% mehr zu verdienen, als das der Durchschnitt tut, findet Jan Kath, Designer und Fabriksbesitzer aus Bochum, fair - mit dem Gehalt über die Runden zu kommen, vielleicht etwas sparen zu können, ebenfalls.


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Fair ist für Kath auch, seine Teppiche in der Schweiz waschen zu lassen. "In Nepal würden sie zum Großteil in einem Fluss gewaschen, die ganze Farbsuppe wäre dann im Wasser", erklärt Kath, der vor kurzem in Wien zu Besuch war. Seit April 2004 ist Kath Lizenznehmer der Nonprofit-Organisation "Step" (siehe Kasten).

"Ökologisch verträglich, sozial verantwortlich - ohne Kinderarbeit", sagt Kath. "Ich glaube, wenn man Qualität haben will, muss man auch etwas geben. Faktum ist, dass ein relativ geringer Anteil der Weltbevölkerung in Ländern Europas und Nordamerikas auf Kosten der Menschen und der natürlichen Ressourcen in den Ländern des Südens in Reichtum und Wohlstand leben kann." Es sei an der Zeit, diesen Menschen etwas zurückzugeben. In seinen zwei Fabriken in Nepal werden an jeweils 60 Knüpfstühlen seine Kreationen gefertigt. Drei Menschen knüpfen an einem zwei mal drei Meter großen Teppich acht Wochen. Ab dem 16. Lebensjahr können Jugendliche bei Kath arbeiten. Viele bleiben drei, vier Jahre und kehren dann in ihr Dorf zurück, gründen eine Familie. Einige bleiben für immer in der Stadt.

Jeweils ein Meister ist für 15 Knüpfer verantwortlich. Er rekrutiert diese aus seinem Dorf und ist auch für sie verantwortlich. "Würde beispielsweise ein junger Mensch drogensüchtig werden, würde die Familie des Knüpfers den Meister zur Rechenschaft ziehen", berichtet Kath. Ein bis zwei Mal pro Jahr steht die Produktion still. Nicht nur jene von Kath. "Drei Wochen lang schläft feiertagsbedingt ganz Nepal."

Gearbeitet wird nach traditionellen Techniken. "Ich könnte es einfacher und billiger haben", meint Kath. Die Qualität sei aber eine andere. Maschinell versponnene Wolle unterscheide sich sichtbar von handgearbeiteter. "Bei industriell gefertigten Teppichen kommt die ausschließlich helle Wolle von hundert Tieren in einen Topf, dann wird umgerüht, und das ergibt ein ewig gleiches Bild."

Ein Zeichen für eine traditionelle Art der Technik sind Unregelmäßigkeiten. Nacheinander wird die Wolle der Schafe verarbeitet. "Wie Menschen unterschiedliche Haut und Haare haben, geben Schafe unterschiedliche Wolle", sagt Kath. Dickere Wolle nimmt die Farbe anders auf als dünnere. Teppiche, die auf diese Weise gearbeitet werden, haben keinen einheitlichen Farbton.

Bei seinem eigenen Handwerk greift Kath nicht auf Traditionen zurück. Seine Motive sind "modern, fast minimalistisch". "Meine erste Kollektion hab ich mir aus dem Ärmel geschüttelt." Das war vor etwa zehn Jahren. Damals ist er, sagt Kath, "zum Design wie die Jungfrau zum Kinde gekommen." Der gelernte Einzelhandelskaufmann ist als Kontrolleur für Teppichgroßhändler tätig, als er die Möglichkeit bekommt, eine Fabrik mitzuübernehmen. Einige Zeit später erwirbt er einen zweiten Produktionsstandort. Seither verknüpft er Tradition und Moderne mit Fairness.