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Treffen mit dem kleinen Satan?

Von Arian Faal

Politik

Iran dementiert heftig ein Treffen. | Hinweise auf geheime Kontakte Irans zu Israel und USA. | Teheran/Tel Aviv. Die Meldung klang wie eine Sensation, das Ende einer jahrzehntelangen Eiszeit: Israels Medien berichteten, dass Diplomaten ihres Landes sich in Kairo mit mehreren iranischen Atomexperten zu Beratungen bei einer Konferenz über atomare Nichtweiterverbreitung getroffen hätten.


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Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Yigal Palmor, bestätigte am Donnerstag, dass ein solches Treffen stattgefunden habe. Dies wiederum dementiert Teheran heftig und wirft dem Kontrahenten "psychologische Kriegsführung" vor.

"Sie wissen, dass die USA im Iran seit Beginn der islamischen Revolution 1979 als der große Satan und Israel als der kleine Satan bezeichnet werden. Und mit dem Satan verhandelt man nicht. Zumindest offiziell", erläutert Armin Fallahian, politischer Analyst aus Teheran im telefonischen Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Es vergehe kein Freitagsgebet, wo die Betenden in den Sprechpausen des Freitagsimams nicht "Tod den USA" und "Tod Israel" rufen.

Allerdings hält er die nun kolportierten Kontakte für durchaus möglich. "Spätestens seit den Atomgesprächen ist allgemein bekannt, dass Washington und Teheran wieder direkt miteinander verhandeln. Warum soll es also nicht auch mit Israel inofizielle Beratungen gegeben haben?".

Teheran: "Reine Lügen"

Das ofizielle Iran sieht dies freilich anders: "Die Berichte in dieser Sache sind reine Lügen, es hat kein Treffen in Kairo gegeben. Seien wir ehrlich zu uns selbst. Ziel der Operation ist es doch nur, die erfolgreichen (Nuklear-) Gespräche in Genf und Wien zu untergraben", stellte der der Sprecher der iranischen Atombehörde, Ali Shirzadian, sichtlich erbost klar.

Eine Sprecherin der israelischen Kommission für Atomenergie bestätigt das Treffen hingegen ebenfalls. Nach Angaben der israelischen Zeitung "Haaretz" sollen am 29. und 30. September drei Arbeitssitzungen unter der Federführung der Internationalen Kommission für atomare Nicht-Weiterverbreitung und Abrüstung (ICNND) im "Vier Jahreszeiten-Hotel" stattgefunden haben.

Demnach nahmen Meirav Zafary-Odiz von der israelischen Atombehörde und der iranische Botschafter bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Ali Asghar Soltanieh, an den Besprechungen teil. An der Versammlung unter australischer Schirmherrschaft hätten unter anderem auch Repräsentanten der Arabischen Liga, der Türkei, mehrerer arabischer Staaten sowie europäische und US-Vertreter teilgenommen.

Es sei um drei Themen gegangen, schreibt "Haaretz": Den Nahen Osten zur atomwaffenfreien Zone zu erklären, die Verbreitung von Nuklearwaffen in der Region zu verhindern und die friedliche Nutzung der Kernkraft.

Die Gründung des ICNND im Jahr 2008 geht auf den australischen Premierminister Kevin Rudd zurück und ist eine gemeinsame Initative mit Japan - zwei Ex-Außenminister beider Staaten, Gareth Evans und Yoriko Kawaguchi, teilen sich den Vorsitz. Aus Israel sitzt Ex-Außenminister Shlomo Ben-Ami im Beratungskomitee.

Aus dem ägyptischen Außenministerium hieß es, die Veranstaltung habe zwar in Kairo stattgefunden, jedoch habe die ägyptische Regierung dabei keine direkte Rolle gespielt. Ägypten und der Iran unterhalten seit drei Jahrzehnten keine diplomatischen Beziehungen mehr.

Treffen, kein Dialog

Während Soltanieh selbst keine Stellungnahme dazu abgab, betonte ein israelischer Diplomat, der nicht beim Namen genannt werden will, dass es keine direkte Interaktion zwischen den Repräsentanten Israels und Irans gegeben habe. "Er hat gesprochen, sie hat gesprochen, aber es gab keinen Dialog."

Es wäre erste Mal seit der Islamischen Revolution in Iran 1979, dass Repräsentanten Irans und Israels gemeinsam an einem solchen Treffen teilnehmen. Für Fallahian ist es durchaus denkbar, dass in der Zukunft noch mehr solcher Treffen stattfinden.

"Ich weiß, dass der Iran und die USA indirekt und hinter vorgehaltener Hand schon seit Jahren darüber verhandeln, ob Washington nach der diplomatischen Eiszeit nicht wieder grünes Licht für die Lieferung neuer Boeing-Flugzeuge in den Iran und dergleichen besprechen. Warum soll es also nicht auch mit den Israelis Konsultationen über einen atomwaffenfreien Nahen Osten geben? In der Folge kann sogar die Palästinenserfrage ein Thema werden", glaubt der Experte. "Nur werden Sie niemanden finden, der sich gegen die Staatsräson stellt und dies dann auch zugibt."

Israel gilt als einzige, aber nicht erklärte Atommacht im Nahen Osten und hat mehrfach zu verstehen gegeben, ein iranisches Atomwaffenprogramm notfalls durch einen militärischen Angriff stoppen zu wollen. Durch einen Dialog zwischen beiden Ländern würde das Pulverfass Naher und Mittlerer Osten, das durch die Krisenherde Iran, Irak, Gazastreifen und Afghanistan jederzeit zu explodieren droht, zumindest einiges an Zündstoff verlieren.