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EZB dürfte Anfang Dezember die Leitzinsen erhöhen. | Erste Anhebung seit Juni 2003. | Frankfurt. Die Zeit der niedrigen Leitzinsen in der Eurozone dürfte sich dem Ende zuneigen. Bei einer Tagung in Frankfurt hat Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), so klar wie nie zuvor signalisiert, dass die Bank an eine Anhebung der Leitzinsen denkt.
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" Nach zweieinhalb Jahren historisch niedriger Zinsen denke ich, dass wir bereit sind für eine Entscheidung", so der Notenbank-Chef beim "European Banking Congress". Eine Anhebung des seit Juni 2003 unverändert bei 2,0 Prozent liegenden Leitzinses würde zwar einen Teil der für die Wirtschaft günstigen Umstände beseitigen. Die Geldpolitik werde aber weiterhin zu Wachstum und mehr Beschäftigung in der Eurozone beitragen, versicherte Trichet.
Die Finanzmärkte interpretierten diese Aussagen als Beleg dafür, dass es am 1. Dezember, bei der nächsten Sitzung des EZB-Rates, zu einer Zinserhöhung kommen wird.
Volkswirte zeigten sich überrascht von der klaren Aussage und dem Zeitpunkt. Einige von ihnen rechneten mit einer Anhebung der Leitzinsen zum nächsten Termin, andere erwarteten jedoch erst 2006 eine Erhöhung. Nun gehen die Ökonomen davon aus, dass der wichtigste Leitzins zunächst um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent steigen wird, eine weitere Erhöhung aber erst in einigen Monaten folgt. Die Börse reagierte auf Trichets Äußerungen mit deutlichen Kursabschlägen. Der Euro stieg auf über 1,17 gegenüber dem Dollar, Anleihen gaben deutlich nach.
"Wenn die EZB jetzt noch einen Rückzieher machen würde, wäre das nur sehr schwer verständlich", meinte Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. Vom Zeitpunkt der Ankündigung zeigte er sich etwas überrascht. Er habe erwartet, dass die Notenbank erst die aktuellen Prognosen ihrer Experten für die Teuerungsrate 2006 und 2007 abwartet. Im Oktober hatte die Inflation vor allem wegen der hohen Ölpreise bei 2,5 Prozent gelegen.
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