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Eiserne Nerven hat der mögliche Nachfolger von EZB-Präsident Wim Duisenberg bereits bewiesen. Keine Schwäche zeigte Frankreichs Notenbankchef Jean-Claude Trichet auf der Anklagebank im Prozess um den zehn Jahre alten Credit-Lyonnais-Bilanzskandal. Nach gut fünf Wochen endet heute, Mittwoch, die Verhandlung mit den Schlussplädoyers für die restlichen Angeklagten. Trichet muss sich weiter in Geduld üben. Das Urteil wird nicht vor Ende März erwartet. Nur nach einem erstklassigem Freispruch wird Trichet nach einhelliger Auffassung Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) werden können.
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Weniger gelassen reagierte zuletzt Duisenberg. Der temperamentvolle Niederländer, der sein Amt am 9. Juli, seinem 68. Geburtstag, vorzeitig abgeben will, lehnt zwar jeglichen Kommentar zum Prozess ab. Er klagte allerdings kürzlich darüber, dass er sich "so lange hinschleppt". Dies sei weder für die Person noch für die Sache gut.
Die Aussichten Trichets auf den EZB-Posten verdüsterten sich erheblich, nachdem die Staatsanwaltschaft vor der 17. Kammer des Pariser Strafgerichts zehn Monate Haft mit Bewährung für den international hoch angesehenen Währungshüter gefordert hatte. Die Anschuldigungen gegen Trichet seien voll begründet, hieß es. Als früherer Leiter des Schatzamtes 1992 und 1993 habe er Bilanzfälschungen mit zu verantworten, mit denen Verluste der Bank verschleiert werden sollten.
Seine Verteidiger wiesen in ihrem Plädoyer am Montagabend die Vorwürfe entschieden zurück und forderten einen Freispruch. Als Schatzamtsleiter sei Trichet nicht an der Bilanzerstellung beteiligt gewesen. Noch im vergangenen Frühjahr habe die Staatsanwaltschaft selbst für die Einstellung des Verfahrens gegen Trichet plädiert, wunderte sich die Verteidigung.
Auch Prozessbeobachter geben Trichet noch Chancen. Eine Reihe von Zeugen, darunter der ehemalige Premierminister und Finanzminister Raymond Barre, hat Trichet entlastet. Mit ihm warten acht weitere Angeklagte auf ihr Urteil, darunter der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds, Jacques de Larosiere. Als französischer Notenbankchef leitete er damals die Bankenkommission, den Kontrolleur der Bankbilanzen. Auch für ihn wurde Bewährungsstrafe gefordert ebenso wie für Jean-Yves Haberer, den ehemaligen Chef der früheren Staatsbank Credit Lyonnais.
Trichet hat im Prozess nicht gewankt. Mit fester Stimme erklärte der 60-jährige, er habe "niemals Zweifel an der Seriosität des Zahlenwerks" von Credit Lyonnais gehabt. Mehrfach habe er dem damaligen Finanzminister seine Besorgnis über die "kühne Strategie" Haberers mitgeteilt. Haberer genoss jedoch das volle Vertrauen der Regierung, die den Expansionskurs einhellig unterstützte. Finanzminister war damals Pierre Beregovoy, der sich später aus ungeklärten Gründen das Leben nahm.
Mit wirren und teils widersprüchlichen Aussagen trug der 70-jährige Haberer selbst wenig zur Aufhellung der Affäre bei. Er wollte Credit Lyonnais zu einer der weltgrößten Banken ausbauen, ging dabei riskante Geschäfte ein und häufte Anfang der neunziger Jahre Milliardenverluste auf. In die Rettung der Staatsbank, die 1999 privatisiert wurde, flossen annähernd 15 Mrd. Euro Steuergelder.
Berge von Bankgutachten und Prüfungsberichten, unterschiedliche Risikoeinschätzungen und Immobilienbewertungen stellen die Richter vor eine schwierige Aufgabe. Die französische Regierung rückt nicht von Trichet als ihrem EZB-Kandidaten ab, wie Finanzminister Francis Mer erst am Wochenende bekräftigte.
Nur am Rande kursieren in Paris bisher mögliche Alternativen, wobei weiter der ehemalige EZB-Vizepräsident Christian Noyer und Jean Lemierre, Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, im Gespräch sind. dpa
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