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Trommeln für mehr Toleranz

Von Katharina Schmidt

Politik

Schmied: 200 Projekte für "sozialen Zusammenhalt". | Mehr Lehrer für muttersprachlichen Unterricht gefordert. | Wien. Auf dem Ottakringer Yppenplatz ist an diesem Freitagmittag nicht viel los. Die meisten Standler haben ihre Sachen schon zusammengepackt, aus einer Kebab-Bude tönt gedämpft türkische Musik. Zwei Männer mit weißen Bärten und Turbanen unterhalten sich - worüber, das bleibt Kennern der fremdklingenden Sprache vorbehalten.


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Fremd mutet hier auch die flache weiße Halle mit der verglasten Front an. Sie beherbergt die brunnen.passage, ein Kulturzentrum der Caritas Wien. Über kostenlose Tanzkurse, Ausstellungen und Veranstaltungen wird hier die Völkerverständigung gelebt. Heute bleiben die Türen allerdings für die Laufkundschaft geschlossen, denn Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat sich angekündigt. Gemeinsam mit Caritas-Direktor Michael Landau präsentiert sie die Arbeit des Zentrums und plädiert für mehr kulturelle Toleranz.

Die positiven Aspekte von Migration und Integration will Schmied mit rund 200 Projekten im Kunst- und Kulturbereich heuer, im europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs, hervorheben. Um den "sozialen Zusammenhalt zu stärken", sagt sie.

Und: Möglichst nachhaltig sollen die Aktionen sein. So wird mit 2. Mai auch eine neue Abteilung im Ministerium ihre Arbeit aufnehmen. Unter der Leitung von Rüdiger Teutsch, dem Geschäftsführer des interkulturellen Zentrums, soll die Sektion "Migration, interkulturelle Bildung und Sprachenpolitik" Lösungen für Integrationsprobleme in den Schulen erarbeiten.

Und derer gibt es viele. Etwa die Tatsache, dass die zweite Generation von Zuwanderern oft weder die Muttersprache, noch Deutsch richtig beherrscht. Teutsch will hier bei der Lehrerausbildung ansetzen: Die österreichweit rund 300 muttersprachlichen Lehrkräfte sollten auf rund 1000 aufgestockt werden. Zudem müsste jeder Wiener Pflichtschullehrer eine Ausbildung in Deutsch als Fremdsprache absolvieren.

Generell plädiert er gegenüber der "Wiener Zeitung" für einen "gedanklichen Paradigmenwechsel". Fremdsprachen dürften nicht als Defizit gesehen werden - rein ökonomisch sei es auch für Österreicher wichtig, Sprachen der EU-Erweiterungskandidaten zu erlernen, sagt Teutsch.

Klingt das nicht ein bisschen nach Multi-Kulti-Traum? "Wenn immer mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund aus dem Schulsystem fallen, kann man nicht mehr sagen die müssen sich anpassen - dann hat die Gesellschaft versagt, diesen Leuten Chancen zu geben", erklärt Teutsch. Immerhin ist die Jugendarbeitslosigkeit bei Migranten beinahe drei Mal so hoch wie bei Österreichern.