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Trotz Rückzugs will Howard Dean politische Kraft bleiben

Von Edith Grünwald

Politik

Howard Dean, die Hoffnung vieler von der Politik frustrierter Amerikaner, hat sich nun doch aus dem Rennen um die Präsidentschaftskür der Demokraten zurückgezogen. Doch Dean will weiter dabeibleiben - als politische Kraft zur Veränderung der Demokratischen Partei und des gesellschaftlichen Klimas in den USA.


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Denn der Arzt aus dem kleinen Bundesstaat Vermont hat etwas, was zum Beispiel dem Führenden der Demokraten, Senator John Kerry fehlt: Leidenschaft. Dean weckt Begeisterung und kann besonders junge Leute für die Politik rekrutieren. Und er nützt das Zukunftsmedium Internet für die Mobilisierung. Mehr als 600.000 Anhänger haben sich auf Deans Internet-Seite eingetragen. Im Vorjahr hat er 41 Millionen Dollar (32,0 Mio. Euro) Wahlspenden gesammelt und damit einen neuen Rekord bei den Demokraten aufgestellt.

Dean formuliert die Enttäuschung vieler mit einer allzu etablierten demokratischen Partei, die US-Präsident George W. Bush wenig Widerstand bei seinem neokonservativen Umbau von Amerika geleistet hatte und dem Präsidenten eine bequeme Mehrheit für die Irak-Kriegsermächtigungsresolution im Kongress lieferte. Dean hatte als erster ernst zu nehmender Demokrat den Irak-Krieg lautstark verurteilt und Bush immer wieder vorgeworfen, er habe die USA nicht sicherer gemacht.

Mit der Vorgabe von Themen ist Dean bisher viel erfolgreicher gewesen als an der Wahlurne: Viele von ihm vorgebrachten Agenden wie die Forderung nach Krankenversicherung für alle Amerikaner haben die anderen Kandidaten übernommen. Auch ehemalige Irak-Kriegs-Befürworter wie John Kerry haben sich nun zu Gegnern des Feldzugs gegen Saddam Hussein gewandelt - und der Boden dazu wurde sicher durch Deans scharfe Ablehnung des Kriegs und seine wiederkehrenden Angriffe auf Bush bereitet.

Dean hat zwar den Kampf ums Weiße Haus aufgegeben, doch innerhalb der Demokraten will er weiterhin eine treibende Kraft bleiben. Mit Unterstützung der von ihm aufgebauten Basisbewegung könnte ihm dies auch gelingen. In Washington gebe es einen "enormen institutionellen Druck gegen Veränderungen", auch gegen Veränderungen in der Demokratischen Partei, konzedierte Dean. Daher werde es nicht leicht sein, den Kampf um eine demokratischere Demokratische Partei zu führen.

Zumindest der direkte Gegenwind von den Konkurrenten aus der eigenen Partei wird Dean jetzt erspart bleiben. Viele machten auch die Medien für seinen jähen Absturz in der Wählergunst verantwortlich, denn Deans unglückliche Rede nach dem schlechten Abschneiden bei den allerersten Vorwahlen in Iowa wurde zur medialen Hinrichtung umfunktioniert. In vier Tagen nach den Vorwahlen von Iowa war die zur Anfeuerung seiner Anhänger gedachte Rede in den großen US-Fernsehsendern 633 Mal wiederholt worden, Dean wurde wegen weniger Minuten plötzlich zur Witzfigur. Der Kandidat war offenbar nicht nur vielen Wählern, sondern auch den großen Medienkonzernen zu radikal.