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Zweiter Anbieter beruft gegen Vergabe an Steyr. | Tschechischer Premier soll für Steyr interveniert haben. | Druck auf Auswahlkommission? | Prag. Tschechiens Armee setzt in Zukunft aus Panzerfahrzeuge aus Österreich: Ende Januar stimmte die sozialdemokratische Regierungskoalition in ungewohnt trauter Einigkeit für den Kauf von 234 Pandur II-Radpanzern der österreichischen Firma Steyr.
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Die Auswahl der Anbote war hart und lange umstritten. Immerhin handelte es sich dabei um den zweitgrössten Auftrag in der Geschichte der tschechischen Armee, mit einem Wert von 861 Millionen Euro. Auch für die Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge GmbH (SSF) war es der größte Auftrag in ihrer Unternehmensgeschichte.
Drei Jahre lang dauerte das Auswahlverfahren zur Lieferung der Panzerfahrzeuge. Am Ende blieben nur zwei Konkurrenten übrig - Steyr und die finnische Patria. Der Zuschlag ging an die Österreicher, weil deren Angebot - so die Begründung - um 30 Millionen Euro niedriger war und mehr Aufträge für tschechische Sublieferanten enthielt.
Die Offerte der Finnen dagegen wurde als technisch besser bewertet. Die Patria hat Berufung gegen die Entscheidung eingelegt, in der sie das Auswahlverfahren anzweifelt.
Gab es Druck auf die Auswahlkommission?
Was oft recht gängige Praxis im Kampf um lukrative Regierungsaufträge ist - die Anfechtung eines Auswahlverfahrens von Seiten des Verlierers - hat im Fall Pandur einige begründete Verdachtsmomente. Der Bericht der Auswahlkommssion wird als "streng geheim" eingestuft. Laut der tschechischen Wochenzeitung "Respekt" sollen beide Firmen auf Druck der Auswahlkommission im letzten Augenblick den Preis ihres Angebots gesenkt haben, um das finanzielle Limit von 900 Millionen Euro nicht zu überschreiten, das die Regierung gesetzt hat.
Weiter hat sich Steyr verpflichtet, ihre Panzerwagen von tschechischen Firmen ausstatten zu lassen. Aufträge in Höhe von knapp 300 Millionen Euro sollen so an tschechische Sublieferanten fließen.
Einigen Medienberichten zufolge versprachen Steyr-Vertreter sogar dafür zu sorgen, dass Österreich ein Ja zum Pandur mit der Einfuhr von Elektrizität aus Tschechien danken wird was das Steyr-Management allerdings als "Quatsch" zurückgewiesen hat.
Ministerpräsident macht sich für Steyr stark
Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Steyr gehört nicht dem österreichischen Staat, sondern dem US-Konzern General Dynamics. Das Rüstungsunternehmen hat die SSF im Jahr 2003 übernommen. Gemeinsam mit dem Schweizer Panzerbauer Mowag mit Sitz in Kreuzlingen und den Santa Barbara Sistemas mit Sitz in Madrid bildet die SSF die Geschäftseinheit "General Dynamics European Land Combat Systems". Chef der Sparte ist Hans Michael Malzacher, der die Firma 1998 von Frank Stronach übernommen und danach an den amerikanischen Rüstungskonzern verkauft hatte. Der Steyr-Zuschlag bestätigt: österreichische Firmen haben eine starke Lobby in Prag. In diesem Fall soll niemand anders als Stanislav Gross, inzwischen geschasstes Wunderkind der tschechischen Politszene, sich für die Interessen der Österreicher stark gemacht haben. Als Ministerpräsident setzte Gross, als der Wettbewerb um die Radpanzer schon zugunsten der Schweizer Mowag entschieden schien, einen Audit durch, der die "Wettbewerbsbedingungen als voreingenommen für die Mowag" einstufte. Die Schweizer, auch Teil der General Dynamics schieden daraufhin freiwillig aus dem Tender aus und machten den Weg frei für die Steyr. Für die Mowag setzte sich besonders der Vorsitzende der tschechischen Christdemokraten, Miroslav Kalousek ein. Er sollte später eine tragende Rolle bei der Demission von Stanislav Gross als Regierungschef spielen.
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