Zum Hauptinhalt springen

Türkei: "Wachstum auf hohem Niveau stabilisiert"

Von Eva Stanzl

Wirtschaft

US-Konzerne ziehen Geld ab. | Wien.Die türkische Regierung unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte jüngst öffentlich immer wieder den Eindruck erweckt, die Türkei werde von der Finanzkrise weitgehend verschont bleiben. Richard Bandera, Außenhandelsdelegierter in Ankara, sieht es differenziert: "Die türkischen Banken sind nicht so verwoben mit den US-Banken wie andere. 70 Prozent der Unternehmen an der Istanbuler Börse gehören jedoch ausländischen Konzernen, die ihr Geld teilweise abgezogen haben. Trotzdem bleibt die Türkei ein Wachstumsmarkt", erklärte er der "Wiener Zeitung" am Rande einer Tagung der Wirtschaftskammer am Montag.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 15 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

In der Türkei wurde 2007 mit rund 21,9 Mrd. Dollar (14,9 Mrd. Euro) mehr Geld aus dem Ausland investiert als je zuvor, zwei Drittel davon kam aus der EU.

Bandera verweist zudem auf ein bestehendes Programm des Internationalen Währungsfonds, das verlängert werden könnte, sollte sich die Finanzkrise drastisch auswirken. Der Lira-Kurs sei bereits gesunken und die Inflation gestiegen. Verbraucherschützer hatten jüngst gewarnt, dass private Schulden auf fast 115 Mrd. Türkische Lira (60 Mrd. Euro) gestiegen seien. "Wegen der Finanzkrise wird auch auf türkische Banken der Druck wachsen. Sie werden das an ihre Schuldner weitergeben", warnte Nazim Kaya von einem Verbraucherverband in Istanbul.

Automobil und Energie

Bandera spricht von einer "Stabilisierung auf hohem Niveau". Nach dem Boom der letzten Jahre rechnet er für 2008 mit vier Prozent und für 2009 mit zwei Prozent Wachstum. Rückgänge könnten besonders die Automobilindustrie treffen. Bei Energie-Projekten sieht er dagegen wenig Grund zur Sorge. Auch die OMV hält an ihrem geplanten Gaskraftwerk in Samsun fest, obwohl die bankrotte US-Investmentbank Lehmann Brothers als Partner geplant war. Wie es mit den 15 Prozent Lehman-Anteilen weitergehe, werde demnächst geklärt, heißt es aus dem Mineralölkonzern. Weitere US-Investitionen in Energieprojekte seien nicht bekannt, erklärt Bandera.

Was das umstrittene, 1,1 Mrd. Euro teure Staudammprojekt Ilisu betrifft, erwartet der Diplomat, dass alle Auflagen erfüllt und "mit sechsmonatiger Verspätung" mit dem Bau begonnen werden könnte.