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Efes-Importeur will im Bierland Österreich reüssieren und räumt mit Vorurteilen auf.
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Wien. Knapp 110 Liter oder 220 Krügerl Bier trinkt ein durchschnittlicher Österreicher pro Jahr. Weltweit wird nur in Tschechien mehr Bier getrunken. Sigi Menz, Obmann des österreichischen Brauereiverbandes, sagte einmal, dass Bier in Österreich ein Kulturgut sei. Vermutlich hat er damit recht. Bei der Wahl der Biersorte ist der Österreicher patriotisch, wie auch die Brau Union bestätigt. Nur fünf Prozent des Jahresverbrauchs werden importiert. Wie ernst es dem Österreicher mit heimischen Biermarken ist, konnte man bei der hauseigenen Fußball-Europameisterschaft 2008 beobachten. Das ausnahmslose Ausschenken der dänischen Biersorte Carlsberg in den Fanzonen brachte so manchen Biertrinker in Rage, die Fanzonen waren während der Endrunde dementsprechend schwach besucht.
Dass Österreich ein hartes Pflaster für ausländische Biersorten ist, weiß auch Ismail Karabulut. Seit mehr als 15 Jahren importiert er türkisches Efes-Bier nach Österreich. Im äußersten Süden von Wien, kurz bevor die Felder beginnen, hat er sich mit seiner Import-Getränkefirma Sabex im Großmarkt Inzersdorf einquartiert. Hunderte Holzpaletten stapeln sich vor der Lagerhalle, in der im ersten Stock sein Büro ist.
Das Büro ist mit dem nötigsten ausgestattet. Auf Bildern sind der Bosporus und Istanbul zu sehen. Es gibt vier Fenster, zwei zeigen in die graue Containerlandschaft des Großmarkts, von den beiden anderen überblickt man die Lagerhalle. In einem Regal stehen auf vier Ebenen Flaschen mit Hochprozentigem in jeweils gleichem Abstand nebeneinander. Neben Efes importiert Sabex auch Spirituosen, Fruchtsäfte, Tee, Kaffee und Lebensmittel aus der Türkei. Karabulut, glatt rasiert und leicht angegrautes Haar, empfängt seine Gäste mit Tee.
Kunden haben nachtürkischem Bier gefragt
Er kam 1992 nach Österreich, nachdem ihm sein Onkel angeboten hatte, dessen Firma im Gastronomiebereich zu übernehmen. Er könne in Wien auch weiter studieren und eine Fremdsprache erlernen, so der Onkel. Karabulut, der zu dieser Zeit in Ankara Soziologie studierte, überlegte nicht lange und sagte zu. Drei Jahre lang arbeitete er in einer Filiale im Einkaufszentrum Shopping City Süd. "Ich habe dann aufgehört, weil es mir keinen Spaß gemacht hatte", erinnert er sich. 1995 gründete er seine Importfirma Sabex. "Ich wollte schon immer im Handel arbeiten." Am Anfang waren es türkische Lebensmittel, die er nach Österreich brachte. Bald hätten Kunden aber gefragt, warum er nicht auch türkisches Bier importiere. Und so kam es dann. Heute ist er Alleinimporteur von Efes-Bier - der fünftgrößten Brauerei Europas - nach Österreich.
Das Geschäft läuft gut. Pro Jahr werden in Österreich fast eine Million Liter türkisches Bier getrunken. Das ergibt einen Umsatz von einer Million Euro. Der derzeitige Gesamtmarktanteil von 1 Prozent soll auf ein Prozent hochgeschraubt werden, so das Ziel der Importfirma.
"Es ist schwierig in Österreich als Türke alkoholische Getränke zu vermarkten", gesteht Karabulut. Viele Österreicher glauben, dass man in muslimischen Ländern keinen Alkohol trinke und man daher keine Ahnung vom Bierbrauen habe. "Dabei wurde das erste Bier in Mesopotamien gebraut." Es gebe zwar staatliche Beschränkungen - in der Türkei dürfen etwa Supermärkte ab 22 Uhr keine alkoholischen Getränke mehr verkaufen - trotzdem würden die Menschen Raki, Bier oder Wein trinken. An die jährlich knapp 110 Liter Bier, die in Österreich getrunken werden, komme man aber nicht heran. Der durchschnittliche Türke trinkt 11 Liter Bier pro Jahr.
Wenn der Rakiin Strömen fließt
Karabulut ist kein Biertrinker, auch sonst rührt er nur selten Alkohol an. "Dafür trinke ich viel und gerne türkischen Tee." Wenn er allerdings in die Türkei reist und mit seinem Bruder und seinem Vater zusammensitzt, dann kann es schon vorkommen, dass Alkohol in Strömen fließt. "Wenn ich sie besuche, dann trinke ich jeden Tag Raki." Karabulut gerät ins Schwärmen: "Man sitzt zusammen, isst eine Vorspeise und dann kommen Musiker zum Tisch und fangen an zu spielen. Wenn ich eine Baglama (türkische Laute, Anm) höre, dann möchte ich Raki trinken."
Ismail Karabulut sitzt in seinem Büro und schlürft an seinem Tee. Er ist stolz auf das, was er bis jetzt geschafft hat. Vor allem wenn man bedenkt, dass ihm neben der patriotischen Haltung der Österreicher zu "ihren" Biersorten, auch die Verträge der Gasthäuser mit Brauunternehmen das Leben schwer machen. In diesen Verträgen verpflichtet sich der Wirt, eine gewisse Anzahl an Hektoliter Bier der Brauunternehmen zu verkaufen. "Die Gastronomen werden daher eher keine Biersorten anbieten, die nicht dem Brauunternehmen angehören, weil sie sonst Gefahr laufen, die in den Verträgen vereinbarte Menge nicht zu verkaufen", sagt Karabulut. Die Verträge mit den Brauunternehmen seien zudem sehr begehrt, weil diese etwa in die Infrastruktur der Gastronomien investieren würden.
"Hier kann Sabex nicht mithalten. Da wir nur Importeur sind, fehlen uns die finanziellen Mittel." Dennoch ist Karabulut optimistisch, was eine Steigerung des Marktanteils von türkischem Bier in Österreich angeht. "Österreichisches Bier ist meistens Lagerbier, Efes hingegen ein Pils Bier. Es ist ein sehr leichtes Bier." Der Hauptkonkurrent bei Pilsbier in Österreich ist das ebenfalls ausländische Heineken, ein Bier von Österreichs größtem Brauunternehmen, der Brau Union.
Gute Chancen, um mehr Efes-Bier zu verkaufen, sieht Karabulut in türkischen Gasthäusern. Menschen, die türkisch essen gehen, seien auch offen für türkische Getränke. Und hier würde der Österreicher seinen Patriotismus hinten anstehen lassen. 70 Prozent der Menschen, die Efes trinken, haben keinen türkischen Migrationshintergrund, so Karabulut. Sein Bier will er verstärkt auch über Handelsketten vertreiben. Die große Konkurrenz bereitet ihm kein Kopfzerbrechen. Karabulut: "Ich werde auch hier erfolgreich sein."

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