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TV-Slalom interruptus

Von Manfred A. Schmid

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Nicht leicht machte es mir am Samstagabend das ORF-Fernsehen. Nur um 20.15 Uhr hatte ich noch keinerlei Probleme, da meine beiden Töchter - drei und ein Jahr alt - mich noch zur Gänze in Anspruch nahmen. Es war das letzte Wochenende unseres Kurzurlaubs, und das nutzten sie auch weidlich aus. Als sie endlich tief schlummerten, es war gegen 22 Uhr, begann die Qual der Wahl: "Liebesg'schichten und Heiratssachen" von Elizabeth T. Spira und ihrem - stets liebevolle Detailstudien anfertigenden - Kameramann Peter Kasperak gehört zu meinen Pflichtterminen. Diesmal reichte meine Zeit aber nur für drei Kandidaten - den geschiedenen steirischen Lehrer Rainer, die 49-jährige Diplomkrankenschwester Eva aus Wien-Favoriten und für Fredl, den 52-jährigen Schausteller aus Graz -, dann schaltete ich bereits um auf ORF 1, wo "Der Bulle von Tölz" alias Ottfried Fischer im "Tod eines Strohmannes" wieder einmal keine gute Hand bei der Erteilung seiner Gunst bewies. Ausgerechnet die von seiner Mutter als Braut auserkorene und von ihm umworbene Sekretärin entpuppte sich als Täterin. Das stellte sich allerdings erst gegen 23.40 Uhr heraus, auch wenn ich es meiner Frau schon gut eine halbe Stunde früher prophezeit hatte: Als Krimi-Konsument bekommt man eben einen Blick dafür . . . Nun ging es wieder zurück zu ORF 2, wo ich gerade noch das Ende des zweiten Akts und das Finale von Puccinis "Turandot" mitverfolgen konnte. Da mich die von Luciano Berio vervollständigte Partitur besonders interessiert hatte, kam ich zwar noch irgendwie auf meine Rechnung, dennoch war dieser fragmentierte Slalomlauf nicht das Richtige. Der Genuss war zu zerstückelt - und die Schuld lag nur bei mir.