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Typisch Molterer: Ein stiller Abschied

Von Walter Hämmerle

Politik

Porträt des scheidenden Finanzministers und Vizekanzlers. | Wien. Die Überraschung hielt sich in Grenzen. Am Freitag verkündete Wilhelm Molterer sein erwartetes Ausscheiden aus der Regierung, auch wenn sich bis zuletzt das Gerücht hielt, er könnte als Finanzminister weitermachen und so seinem einstigen Büroleiter und nunmehrigen Nachfolger Josef Pröll den Rücken frei halten.


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Diese Arbeitsteilung hatte schon zwischen Molterer und Wolfgang Schüssel in den vergangenen zwei Jahren nicht funktioniert, in denen der 53-jährige Vollblutpolitiker an der Spitze der ÖVP stand. Wie nun Pröll wurde auch Molterer durch eine vernichtende Wahlniederlage Schüssels ganz nach vorne gespült.

Dabei hatte es den oberösterreichischen Bauernbündler nie ganz nach vorne gedrängt. Die Übernahme der Parteiführung war mehr der Not an personalpolitischen Alternativen geschuldet, als dass Molterer selbst an die Macht wollte. 2006 galt es, das Erbe der Schüssel-Ära zu bewahren, Finanzminister Karl-Heinz Grasser sollte den Job machen, Molterer war selbstlos zum Verzicht bereit, doch der Plan Schüssels scheiterte am Widerstand im ÖVP-Vorstand. Also blieb der undankbare Job des Vizekanzlers in einer rot-schwarzen Regierung doch wieder an Molterer hängen.

In seiner kurzen Zeit an der Spitze gelang es Molterer nie, sich aus dem langen Schatten seines Vorgängers zu lösen. Zumindest schrieben das sämtliche Medien so lange, bis es irgendwann einmal zum Faktum wurde. Mit dazu beigetragen hat wohl auch seine zurückhaltende, introvertierte Natur. Molterer gehört zu jener Art von Politikern, die im persönlichen Umgang umgänglicher, sympathischer wirken als via TV - ein Kainsmal in einer Zeit, wo Politik vorwiegend über Massenmedien kommuniziert wird. Auch über sein Privatleben als verheirateter Vater von zwei Kindern weigerte sich Molterer beharrlich, öffentlich zu plaudern.

Im Wissen um dieses Defizit stürzte sich der Parteichef, Vizekanzler und Finanzminister in die Arbeit, um durch Sachkompetenz zu überzeugen. An der zweifelte jedoch ohnehin niemand, war doch Molterer über jedes Detail stets informiert. Was zu kurz kam, war der gezielte Aufbau von Führungsstärke. Im heurigen Wahlkampf, den er selbst mit den Worten "es reicht" vom Zaun brach, sollte sich das nicht mehr kompensieren lassen.

Nach Jahrzehnten in der Politik steht der integre Politiker unter anderem als ÖVP-Generalsekretär, Landwirtschaftsminister und Klubchef - nun vor einer Zäsur. Vorerst wird er sein Mandat annehmen - "als einer von 183", wie er selbst am Freitag sagte. Über seine Pläne für die Zeit danach hüllt er sich noch in Schweigen.