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Eine EU-Kampagne will den Stress im Arbeitsleben "managen". Das wird nicht gelingen. Ein Abschied.
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Gemeinhin hört man vom "Burn out"-Phänomen in den Medien eher, als dass einem dieses in der Realität begegnet. Und doch trifft man manchmal auf einen Betroffenen, und im konkreten Fall verbieten sich Zweifel, ob es sich wirklich um ein Krankheitsbild handelt. Der Mann ist Großkundenbetreuer eines internationalen Konzerns, war ständig auf Reisen und kam laut eigenen Angaben auf rund 70 Arbeitsstunden pro Woche. In der nun ärztlich verordneten Untätigkeit findet er sich noch nicht wirklich zurecht. Wie seine Karriere nach der Arbeitspause von mindestens einem Jahr, die ihm seine Neurologin prophezeit, weitergehen kann, weiß er nicht. Nur in einem ist er sich sicher: So wie vorher soll es nicht mehr sein.
Auch ohne vorherigen Zusammenbruch bezweifeln immer mehr Menschen die Sinnhaftigkeit eines Erwerbslebens auf höchster Intensitätsstufe. Mit einem Dasein, das sich nicht nur um die Arbeit dreht, beschäftigen sich Ratgeberbücher und Coaches, Kapitalismuskritiker, wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Autoren. Sogar in der TV-Werbung sind schon Angebote für Jobs aufgetaucht, bei denen die Arbeitszeit besser mit der Zeit für die Familie und sich selbst in Einklang gebracht werden soll.
Man muss allerdings anmerken, dass es sich bei dieser Abkehr vom herkömmlichen Arbeitsethos, dem Freunde des ungezügelten Wettbewerbs ebenso huldigten wie die Arbeiterbewegung, um ein Luxus-Phänomen handelt. Die pendelnde Billa-Kassierin wird sich auf ihrem Weg von der Steiermark nach Wien im Bus um fünf Uhr Früh wohl um anderes Gedanken machen als um ihre "work-life-balance". Und der arbeitslose Mindestsicherungsempfänger freut sich über die Zeit zuhause womöglich weniger als ein Fixangestellter.
Doch gerade besser Ausgebildete überlegen sich schon in jungen Jahren, ob sie ihr Leben auf eine - noch dazu ungewisse - Karriere programmieren sollen. Sie sind schon früh weit größerem Leistungsdruck ausgesetzt als unsereiner, der es sich erlauben konnte, auch gerne einmal ein Universitätssemester zu verbummeln. Heutzutage gibt es dank grassierender Verschulung solche Freiräume nicht mehr. Verzögerungen empfehlen sich zudem nicht, weil der Arbeitsmarkt heute ungleich umkämpfter ist als vordem. Somit werden die Jüngeren länger im Dauerstress stehen, "Burn-outs" also häufiger werden. Dabei wird heute schon auch den Älteren immer mehr abverlangt. Ein 50-Jähriger, der noch dynamisch an seiner Laufbahn bastelt, hält gar nicht für möglich, wie sehr ihn schon derselbe Arbeitseinsatz wenige Jahre später erschöpfen kann, ganz zu schweigen von weiter wachsenden Anforderungen.
Eine jüngst ausgerufene EU-Kampagne, die "den Stress managen" soll, wird da wenig helfen. Appelle an die Wirtschaft, den zwar nicht Ausgebrannten, aber doch Ausgelaugten mehr Spielraum zu geben, verhallen ungehört. Wer dem Luxus-Wunsch nach mehr Selbstbestimmung irgendwie nachkommen kann, greift daher zur Selbsthilfe und sagt, wie es unsere deutschen Nachbarn gern tun: Ich bin dann mal weg. Das sage ich, mit wienerischem Tonfall, jetzt auch. Und wünsche mir und meinen Leserinnen und Lesern ein schönes Leben.

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