)
Manchmal vergisst das IOC bei seiner Politik der Nicht-Politik die eigentlichen olympischen Prinzipien. Die Regeln wollen es so.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 11 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Eines muss man dem Internationalen Olympischen Komitee lassen: Es ist konsequent. Oder von einer seltenen Empathieverweigerung, je nachdem. Nachdem es die norwegischen Langläuferinnen vor zehn Tagen verwarnt hatte, weil diese mittels Trauerflor das Andenken an den verstorbenen Bruder einer Athletin hochhalten wollten, und Freestylerinnen zum Entfernen von Aufklebern aufgefordert hatte, die an die verstorbene Ikone Sarah Burke erinnerten, schmetterte es nun auch einen Antrag des ukrainischen nationalen Komitees ab, das mit schwarzer Armschleife Mitgefühl für die Opfer der Straßenschlachten von Kiew zum Ausdruck bringen wollte. Dies sei mit den Regeln nicht vereinbar, hieß es.
Nun achtet das IOC generell penibel darauf, dass diese eingehalten werden. Schließlich soll mit den Spielen keine Politik gemacht werden - auch wenn dies selbstverständlich nicht für das jeweilige Ausrichterland gilt -, und Sponsoren dürfen nicht vergrault werden. Mit Verlaub: Beide Argumente ziehen in diesem Fall nicht. Sponsorenlogos können gar nicht einmal mit einem Trauerflor verdeckt werden, weil diese auf den Anzügen ohnehin nicht präsent sind; und die Erklärung, die das ukrainische Komitee abgab, liest sich nicht einmal mit dem schlechtesten Willen als politisches Statement pro oder kontra die Machtverhältnisse in der Heimat. "Wir sind schockiert von den Ereignissen in unserem Land. Das Schicksal unserer Familien, Freunde und Verwandten beunruhigt uns. Wir rufen alle Seiten zum friedlichen Dialog auf", hieß es dort. Und ja, der ukrainische Olympia-Chef Sergej Bubka war sogar selbst Parlamentsabgeordneter für die "Partei der Regionen" unter dem umstrittenen Präsidenten Viktor Janukowitsch - in einer persönlichen Stellungnahme vermied aber auch er es wohlweislich, sich auf eine Seite zu stellen. Er appelliere "eindringlich an alle Parteien, die Gewalt zu stoppen", sagte er. Worte, die so auch von IOC-Chef Thomas Bach hätten kommen können. Sein Lob an die ukrainischen Athleten, die beweisen würden, dass "Sport Brücken bauen und helfen kann, Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund in Frieden zusammenzubringen", muss da wie Hohn klingen. Denn genau das hätte das gemeinsame Symbol des Mitgefühls zum Ausdruck gebracht.

)
)
)
)