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Über den Zauber würfeliger Waschstücke

Von Petra Medek

Wirtschaft

Eine Vorarlbergerin lässt Wiener Tradition weiter leben. | Kaltgerührte Seifen mit natürlichen Zutaten. | Wien. Das kleine Kellerlokal im dritten Wiener Gemeindebezirk ist unscheinbar. Doch die Nase verrät dem Passanten sofort, was ihn im Geschäft erwartet: Es duftet zitronig, etwas holzig, frisch - schlicht nach Sauberheit. Hier wird Seife nach einer alten Wiener Rezeptur handgefertigt und verkauft.


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Vor drei Jahren hat die Vorarlbergerin Sonja Baldauf ihren Laden "Stoba" in der Hintzerstraße aufgesperrt. Angefangen hat alles mit ihrer Leidenschaft für die handgemachten Seifen des letzten Wiener Seifensieders Friedrich Weiss.

2004 hat Baldauf einen Film über Weiss gesehen, wurde zur begeisterten Kundin und wollte seine Seifen sogar in der Schweiz verkaufen. Doch der plötzliche Tod des Seifensieders 2006 ließ ihre Träume vom eigenen Vertrieb platzen.

Das Wissen des Seifenmeisters drohte in Vergessenheit zu geraten - wäre da nicht Wladyslaw Stopa gewesen. Der junge gebürtige Pole wurde jahrelang von Weiss in die Geheimnisse der Seifenherstellung eingeweiht.

Baldauf war längst vom Seifenfieber gepackt und fackelte nicht lange. Sie tat sich mit Stopa zusammen, um in Wien ins Seifengeschäft einzusteigen. Die unerschrockene Vorarlbergerin hängte ihren Job in der Schweiz an den Nagel und übersiedelte nach Wien. "Ich hab mir drei Wochen gegeben, um ein Geschäftslokal und eine Wohnung zu finden" - und das gelang ihr auch.

Heute fabriziert Seifenexperte Stopa an ein paar Tagen im Monat im Hinterzimmer in der Hintzergasse gut 50 verschiedene Seifenarten aus ausschließlich natürlichen Zutaten, während die Geschäftsinhaberin im Verkaufsraum Kunden mit Rat und Tat zur Seite steht.

Suchtfaktor Seife: Für Baldauf dreht sich alles um die Saubermacher. Foto: Pessenlehner

Manchmal ist nämlich erklärungbedürftig: Welche Seife nimmt man zum Rasieren? Welche für trockene Kopfhaut? Oder: Was ist "Alpenspeik"? Dies ist eine Pflanze, das nur in Kärnten und in der Steiermark wächst, klärt Baldauf auf.

Und die Seifenliebhaberin gibt Insidertipps, etwa jenen, dass man sich die Hände mit Olivenölseife waschen sollte, bevor man sich kräftig schmutzig macht. Ein Tipp, den beispielsweise Automechaniker gern beherzigen.

Sie habe fast nur Stammkunden, berichtet Baldauf. Laufkundschaft gibt es kaum - schließlich liegt der Seifenshop nicht unmittelbar an der vielfrequentierten Landstraßer Hauptstraße, sondern nur in einer kleinen Seitengasse davon.

Dennoch: Wer einmal das Seifenfeeling genossen hat, kommt wieder. Auch Touristen, die zufällig einmal auf das kleine Geschäft gestoßen sind, würden zu Wiederholungstätern, so Baldauf. Wer hierher kommt, zahlt auch gern höhere Preise für Handmanufaktur und natürliche Zutaten: Zwischen vier und 15 Euro kostet ein Waschstück von Stoba. Der Preis hat sich zwar gewaschen - doch gute Seifen zu schenken liegt offenbar im Trend. Baldaufs Umsatz mit Firmen steigt, derzeit startet sie auch mit Hotelbelieferungen.

Zähneputzen und Bodenreinigung

Neben Seifen für Haut und Haar gibt es mittlerweile auch Schmierseife für den Fußboden und sogar Seife speziell für Hunde. Sogar zum Zähneputzen kann man Seife benutzen, betont sie. "Anfangs rebelliert der Mund, aber dann ist es ein herrlich sauberes Gefühl" - so weit kann echte Faszination gehen.

Sonja Baldauf lebt ihre Profession eben mit Leib und Seele - das bedeutet aber auch Arbeit an sieben Tagen in der Woche und Leben ohne Überschwang und Luxus. Wenn sie um 18 Uhr das Geschäft absperrt, kümmert sie sich um Buchhaltung, Angebote und richtet Seifen zum Versand her.

"Ich kann davon leben", sagt sie, große finanzielle Sprünge kann sie aber nicht machen. "Man muss als Einzelkämpfer viel Zeit investieren und darf nicht erwarten, dass gleich das große Geld kommt", lautet ihr Resumee nach drei Jahren in der Selbständigkeit. Dabei würde die gelernte Grafikerin und Marketingfachfrau gern Zeit in die Ausweitung des Internetauftrittes und die Erschließung des spanischen oder italienischen Marktes investieren.

Diese Pläne stehen derzeit jedoch noch in den Sternen. Doch Visionen sind der Schmierstoff auf dem Weg zum Ziel - wie Baldaufs Beispiel zeigt.

Website

StoBa Seifenmanufaktur GmbH

Hintzerstraße 6

A-1030 Wien