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Überalterung halbiert BIP-Wachstum

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Europaarchiv

Studie: Euro-Kriterien unter Druck. | Reformen in Österreich greifen. | Brüssel. Währungskommissar Joaquin Almunia schlägt Alarm. Die Überalterung der europäischen Bevölkerung und die dadurch rasch steigenden Kosten für die Pensionssysteme bedrohen massiv die künftigen Budgets der Mitgliedsstaaten und halbieren das Wirtschaftswachstum der EU bis 2050 auf 1,2 Prozent. Bis dahin werde laut einer gestern, Montag, vorgestellten Studie der Kommission und des wirtschaftspolitischen Ausschusses der EU die erwerbstätige Bevölkerung um 48 Millionen Menschen zurückgehen. Die Zahl der über 65-Jährigen steige dagegen um 58 Millionen. Die Baby-Boom-Generation gehe ab 2010 in Pension, die Lebenserwartung verlängere sich bis 2050 um sechs Jahre. Dann müssen zwei Erwerbstätige (heute noch vier) einen Pensionisten erhalten.


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Um durchschnittlich vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen demnach die Kosten vor allem für die Renten- und Gesundheitssysteme. Dabei darf das Budgetdefizit laut Stabilitätspakt-Kriterien drei Prozent des BIP nicht überschreiten. Vor allem die Euro-Länder Portugal - dessen Pensionsausgaben bis 2050 um 9,7 Prozent wachsen würden -, Luxemburg (plus 7,5 Prozent) und Spanien mit sieben Prozent höheren Ausgaben kämen ohne Reformen massiv unter Druck.

"Die Bevölkerungsalterung lässt sich nicht aufhalten", sagte Almunia. "Doch die Folgen für den Wohlstand haben die Regierungen selbst in der Hand." Reformen zeigten vor allem in drei Ländern bereits Ergebnisse: in Frankreich, Deutschland und Österreich.

Vor allem die österreichische Pensionsreform des Jahres 2000 erntete das Lob der Kommissionsexperten. Zwar steigen die Gesamtkosten für die alternde Bevölkerung auch hier bis 2050 um 1,2 Prozent. Die Pensionen kosten dann aber mit 12,2 Prozent des BIP um 1,2 Prozent weniger als 2004. Bei der letzten Bewertung im Jahr 2001 wurde noch mit 17 Prozent für 2050 gerechnet. Zwar sei Österreich von einem sehr hohen Anteil gestartet, die Auswirkung der Reform sei aber "enorm".