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Uberdruck

Von WZ-Korrespondent John Dyer

Wirtschaft

Der kalifornische Taxidienstleister Uber kommt zunehmend wegen des Verhaltens seiner Fahrer in die Kritik. Die Firma verteidigt sich, sie führe strenge Prüfungen durch. Es gibt erste Fahrverbote.


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Boston. Der taxiähnliche Mitfahrdienst Uber wächst rasch und ist zunehmend umstritten. Das gilt für die USA, wo das Unternehmen vor fünf Jahren in Kalifornien begonnen hat, aber auch weltweit. So wird einem Uber-Fahrer in Neu-Delhi vorgeworfen, er habe eine Passagierin vergewaltigt. Die indische Regierung verbot den Uber-Fahrdienst vorläufig, bis das Unternehmen in San Francisco klarstellt, ob die Fahrer überhaupt vor Zulassung ausreichend überprüft werden.

Am Dienstag verhängte ein spanisches Gericht in Madrid ein landesweit gültiges Verbot für Uber. Hier wird der Firma vorgeworfen, einen Taxidienst zu betreiben, die strengen Auflagen für Taxiunternehmen und Taxifahrer jedoch zu umgehen. Ähnliche Verbote wurden in den Niederlanden und Thailand verhängt.

In der Großstadt Portland im US-Bundesstaat Oregon an der Pazifikküste beantragte die Stadtverwaltung am Montag bei Gericht die Aussetzung der Uber-Dienste, solange das Unternehmen sich nicht den Taxiregelungen unterwirft. In Nevada hat ein Richter vergangenen Monat schon ein derartiges Verbot ausgesprochen.

"Falsches Sicherheitsgefühl"

Nach dem Vorfall in Indien untersuchen die Zulassungsbehörden in Kalifornien, Colorado, Massachusetts, Oregon und anderen Bundesstaaten nun, wie Uber seine Fahrer-Überprüfung vornimmt. In San Francisco und Los Angeles ermitteln die Staatsanwaltschaften deswegen. Die Firma behauptet, sie nehme strikte Prüfungen des Vorlebens der Fahrer vor. Aber die Staatsanwälte bemängeln, dass nicht einmal Fingerabdrücke genommen und die Personen damit auf Vorstrafen geprüft werden.

Distriktsstaatsanwalt George Gascon aus San Francisco sagte am Dienstag, Uber gebe den Passagieren "ein falsches Sicherheitsgefühl", wenn diese zu einem Fremden ins Auto stiegen. Denn Uber beschäftigt keine eigenen Fahrer, sondern tritt nur als Vermittler auf. Die Fahrer benutzen ihre eigenen Autos - die nicht speziell geprüft werden wie Taxis - und werden über Apps auf Handys herbeigerufen. Ubers Sprecher Lane Kasselman: "Uber ist dabei, 2014 mehr als zwei Millionen Hintergrund-Überprüfungen abzuschließen. Wir nehmen das sehr ernst."

Die Konkurrenz von Uber in San Francisco ist Lyft. Dieses Unternehmen hat sich schon mit den Staatsanwälten auf korrekte Verfahren geeinigt. Uber lehnt das bisher ab. Das zeigt, wie stark das Unternehmen inzwischen geworden ist.

40 Milliarden Dollar wert

Aus dem kleinen lokalen Mitfahrdienst ist inzwischen ein Großunternehmen geworden, das 2,7 Milliarden Dollar liquide Mittel hat. Der Firmenwert wird auf 40 Milliarden Dollar geschätzt. Den Uber-Dienst gibt es in 250 Großstädten weltweit. Im vergangenen Sommer holte sich Uber David Plouffe als Marketingmanager. Plouffe war früher Wahlkampfleiter Barack Obamas. Seither kommt Uber auch besser mit dem Druck durch die Behörden klar.

Abgeordnete in den Staatsparlamenten von Kalifornien und Illinois haben unter dem Druck der Uber-Lobbyisten verhindert, dass für solche Fahrdienste genau so strenge Bestimmungen eingeführt werden wie für Taxis. "Wir wissen nicht, ob ihre Hintergrundprüfungen gut, schlecht oder weder noch sind", sagt der demokratische Staatsabgeordnete Max Tyler aus Colorado.

Uber setzt dagegen auf eine PR-Kampagne. In Portland wurde im Internet eine Aktion gestartet, um Uber wieder zuzulassen. In vier Stunden hätten sich mehr als 7000 Menschen angeschlossen. "Wir hoffen, dass die Stadt auf die Portländer hört", erklärte Uber dazu.