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Überkompensiert? Ja, aber zu Recht!

Von Christoph Irrgeher

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Bei Pressekonferenzen ist es leider so etwas wie eine Regel: Es muss eine uninformierte Frage fallen. Als sich die Philharmoniker am Sonntag der Öffentlichkeit stellten, lautete sie: Warum ließ das Orchester ausgerechnet jetzt seine Geschichte von Historikern aufarbeiten? Um dies nicht zu wissen, hätte man die Weihnachtsfeiertage der Vorjahre im Ausland sein müssen. Stets trachteten da Kritiker, das Neujahrskonzert als Nazi-Erfindung zu brandmarken. Zwar war die mediale Lust, solche Vorwürfe aufzugreifen, zuletzt schon begrenzt (zumal immer der gleiche Grüne polterte). Mit der Nachricht von philharmonischen Ehrungen für Nazi-Granden wurde die Aufregung aber 2013 doch noch einmal eine veritable.

Dass das Ensemble - endlich! - das Heft in die Hand nahm, ist mehr als löblich. Mag zwar sein, dass die neuen Erkenntnisse nur interessante Facetten darstellen. Mag auch sein, dass die Kritik an einer fehlenden Lust an Vergangenheitsaufarbeitung ohnehin seit 2011 nicht greift, als Fritz Trümpis bestens recherchiertes Buch "Politisierte Orchester" erschien. Dennoch hatte das Orchester ein symbolisches Rufzeichen nötig. Denn gar so offen war es anfangs nicht gegenüber Trümpi (der nun mit Bernadette Mayrhofer und Oliver Rathkolb dem Historikertrio angehörte). Und wer das Buch las, wird auch kaum meinen, dass die Philharmoniker seit den 90ern ihre NS-Schatten mit voller Härte ausleuchteten. Dass sie nun auf ihrer Homepage, einem Werbemedium, kritische Historikertexte platzierten, mag zwar wie eine Überkompensation anmuten. Eine würdige ist es gleichwohl. Und eine, die hoffentlich künftig vor politischem Kleingeld schützt.