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Übertriebene Medaillenhysterie

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Olympia zerstört mehr Träume, als sich erfüllen. Da tut es gut, wenn die Prioritäten wieder zurechtgerückt werden.


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Triumphe, Tragödien und dazwischen ein paar Tränen. Schon am ersten Olympia-Wochenende haben Österreichs Sportler die gesamte Bandbreite an Emotionen abgegrast. Hier ein Matthias Mayer, der nicht ganz unüberraschend zu Abfahrtsgold raste und am nächsten Tag erklärte, beim Anblick der Medaille auf dem Nachtkasterl sei "die eine oder andere Träne geflossen"; dort eine Anna Gasser, der es trotz tapferen Versuchs nicht ganz gelang, die Enttäuschung über Platz zehn im Snowboard-Slopestyle wegzulächeln; und dann ein Gregor Schlierenzauer, der ganz unbescheiden die Mission Gold ausgerufen hatte und nach dem elften Platz nur mit Müh’ und Not die Tränen zurückhalten konnte. So schön und zugleich grausam kann der Sport sein, und für Olympia trifft dies in doppelter Hinsicht zu. Olympia ist eben immer noch das Größte, was man als Sportler erreichen kann: Die Chance gibt’s schließlich nur alle vier Jahre und damit eher selten in einer Laufbahn, über Olympia sprechen auch Menschen, die ansonsten das Aufstehen von der Couch zum Kühlschrank als Sport erachten, Olympiasieger bleibt man für die Ewigkeit. Dass da die Emotionen am größten sind, auch gestandene Männer plötzlich in Tränen ausbrechen, macht mutmaßliche Siegmaschinen nicht nur umso menschlicher, sondern ist auch ganz verständlich. Dass bei den Skispringern aber ausgerechnet der am schlechtesten platzierte Österreicher am glücklichsten war, rückt die Prioritäten dann wieder wohltuend zurecht. Thomas Morgenstern wurde 14. - und strahlte über den "besten Tag, seit ich hier bin". Solche Aussagen hätte man von dem hochdekorierten Sportler wohl vor einigen Wochen noch nicht gehört, doch seine schweren Stürze haben Morgenstern Demut gelehrt. Er betrachte es als "größten Sieg, dass ich das so überstanden habe, dass ich da bin und auch gut springe". Manchmal kann Dabeisein eben doch alles sein, in jedem Fall sind Aussagen wie diese eine willkommene Abwechslung zur üblichen Medaillenhysterie, die bisweilen in chauvinistischen Ausbrüchen gipfelt. Natürlich ist Schlierenzauer zu wünschen, dass er sich doch noch sein Einzel-Gold, das letzte Stück, das in seiner Trophäensammlung noch fehlt, holt, doch wenn nicht, wird sich die Erde auch weiterdrehen. Wie erklärte etwa Morgenstern seinen Rückstand: Es gehe nicht um die Welt, es gehe um Kleinigkeiten. Stimmt. Es geht nicht um die Welt, es geht nur um Olympia.