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Uli Hoeneß ist nicht Nelson Mandela

Von Christoph Rella

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Am Freitagabend wird also Uli Hoeneß nach Verbüßung seiner Haftstrafe wegen Steuerbetrugs von der Mitgliederversammlung des FC Bayern zum Präsidenten wiedergewählt werden. Das ist zwar sein Recht, ist doch seine Schuld im Sinne des Strafrechts getilgt. Ob das allerdings so ein tolles Signal an den Fußball im Allgemeinen und den Verein im Besonderen ist, sei wiederum dahingestellt. Man wird irgendwie das Gefühl nicht los, dass die Bayern einen Fehler machen und sich eine Hypothek aufbürden, die vielleicht für das Fortkommen des Vereins, aber nicht für dessen Ansehen förderlich sein dürfte.

Schließlich kommt es nicht oft vor, dass einem Ex-Häftling die Ehre einer Präsidentschaft zuteilwird. Noch dazu, als es sich bei dem Wursthersteller nicht um einen Dissidenten-Präsidenten à la Nelson Mandela oder Vaclav Havel handelt, sondern um einen Betrüger, der die Allgemeinheit um viele Millionen prellte.

Schwerer als der Strafakt selbst wirkt aber das zweifelhafte, an Realitätsverweigerung grenzende Feuer der Begeisterung, mit dem Hoeneß von Fußballern, Fans, Mitgliedern und sogar auch von Mitbewerbern verehrt wird, als wäre nichts Schlimmes passiert. Die Jubeladressen von Kapitän Philipp Lahm, Leverkusens Rudi Völler oder Hoffenheims Dietmar Hopp sind nicht zu überbieten. Einzige Ausnahme bildet noch - obwohl ebenfalls wegen einer Kokain-Affäre nicht unbelastet - Christoph Daum, der zur Hoeneß-Wahl meinte: "Er wird sich wegen seiner Vorgeschichte sicher auf Angriffe einstellen müssen." Das ist wahr. Ob sich das Aufreißen dieser Flanke für den FC Bayern auszahlt, wird sich weisen.